5

Okt

by JollyOrc

Tarek las den Brief wäh­rend des Abend­es­sens. Der Umschlag war spe­ckig, er war sicher­lich durch viele Hände gegan­gen. Das Datum auf dem Brief zeigte, daß seine Reise von Königs­ha­fen im Süden bis hier­her nach Ossum fast ein hal­bes Jahr gedau­ert hat.

Nach­denk­lich kratzte er sich das stop­pe­lige Kinn. Jakob von Faust hatte sich damals vor ihn gewor­fen, den Magie­blitz eines Hex­ers für ihn abge­fan­gen. Ob es ihm gefiel oder nicht,  der war sei­nem ehe­ma­li­gen Haupt­mann etwas schul­dig. Und war es nicht eh Zeit Ossum zu verlassen?

Heh, schaut mal wer uns schreibt!“

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29

Sep

by Carsten

Lie­ber Tarek, liebe Freunde,                                                              13.1.258 dL

das Schick­sal hat es nicht gut mit mir gemeint – aber viel­leicht ist auch nicht das Schick­sal alleine am Werk. Mein Weg hat mich zurück in die Hei­mat geführt, nach Gut von Faust. Ich bin schwer erkrankt, an der Fami­li­en­krank­heit, und weiß nicht, ob ich noch lange habe. Dinge haben sich in mei­ner Abwe­sen­heit getan, selt­same Dinge. Wahr­schein­lich habe ich es nur mir selbst zuzu­schrei­ben, aber ich habe ver­sucht einen Aus­weg zu fin­den, und bin doch wie­der da wo ich gestar­tet habe… Die Ange­le­gen­heit ist deli­kat, und ich weiß nicht, wie ich sie bewäl­ti­gen soll. Ihr hin­ge­gen habt viel­leicht die Mög­lich­keit – die Mög­lich­keit die mir ver­wehrt blieb. Ich habe lange mit mir gerun­gen, ob ich Fremde in diese Fami­li­en­an­ge­le­gen­heit brin­gen sollte. Ich dachte ich sei stark genug. Aber offen­bar ist es stär­ker als ich. Ich bin nur noch ein Schat­ten mei­ner selbst, und kann es nicht alleine bewäl­ti­gen. Aber ihr, ihr habt mit mir damals alles Bezwun­gen, was sich uns ent­ge­gen­stellte. Darum bitte ich euch, mir noch ein­mal zu Seite zu ste­hen. Kommt zu mei­nem Fami­li­en­sitz. Kommt nach Königs­ha­fen und dann zu mei­nem Gut. Kommt bevor es zu spät ist!

Euer Freund

Jakob

29

Sep

by Carsten

Die fol­gen­den Wochen waren von gemein­sa­mem aus­hei­len der Wun­den, und dann von wei­te­ren Auf­ga­ben gefolgt. Und aus Wochen wur­den Monate. Einige Gefähr­ten wur­den aus­ge­tauscht, aber die Flücht­linge von Catar blie­ben zusam­men. Jakob von Faust, euer furcht­lo­ser Anfüh­rer, zog bald wei­ter, immer noch getrie­ben auf der Suche nach einer Beru­fung oder was auch immer. Nach den Ereig­nis­sen mit dem Hexer war er glück­lich, euch Freunde zu nen­nen und ver­ab­schie­dete sich mit dem Ver­spre­chen, für euch da zu sein, wenn ihr ihn brau­chen wür­det. Ihm war klar, dass ihr über die Ver­gan­gen­heit nicht reden moch­tet, aber wenn ihr ihn brau­chen wür­det, würde er sei­nen Ein­fluss und Namen gerne für euch einsetzen.

So wur­den aus Mona­ten Jahre. Tareks Trupp, wie ihr bald genannt wur­det wurde bald zu einer fes­ten Größe in den Grenz­lan­den, selbst wenn der Kampf mit den Hex­ern das gefähr­lichste und auf­re­gendste Erleb­nis blei­ben sollte. Aber auch Patrouil­len, Vieh­diebe und Möchtegern-Hexer sowie die im gan­zen Reich ange­spannte Lage, hiel­ten das Leben auf­re­gend. Die Räte hat­ten ent­schie­den kei­nen neuen König zu bestim­men, die Fürs­ten began­nen ihre Pro­vin­zen auto­no­mer zu regie­ren und trotz allem, oder wegen der guten Arbeit des Rates, blieb das Land fried­lich. Gerüchte mach­ten die Runde, dass sich ein Fürst zum König auf­schwin­gen würde, und ver­stumm­ten wie­der. Vor­sich­ti­ger Kon­takt wurde angeb­lich mit den Zwer­gen auf­ge­nom­men, aber das Ver­hält­nis schien gespannt. Ein gro­ßes Stadt­schiff der Elfen wurde in den Gewäs­sern vor Catara gesich­tet, was alle Händ­ler froh­lo­cken ließ. Und es gab zuneh­mende Gerüchte von Kämp­fen im Nor­den, in den Ork­lan­den. Man­cher hielt es, nach ers­ten Berich­ten, für wahr­schein­li­cher, das jemand die Ork­lande ver­ei­ni­gen könnte, als dass Catara wie­der einen König bekäme. Nach­dem fast fünf Jahre ver­gan­gen waren, seit jenem schick­sals­haf­ten Tag in Catar, war Tarek der Mei­nung, dass es viel­leicht bald an der Zeit sei, ein­mal die Füh­ler nach Catar aus­zu­stre­cken und zu sehen, ob nicht lang­sam Gras über die Sache gewach­sen war. Aber wäh­rend Tarek sich noch mit dem Gedan­ken anfreun­dete, erreichte ihn ein Brief, der offen­sicht­lich schon ein paar Monate unter­wegs war. Es schien ein inter­es­san­ter Früh­ling 258 zu werden…

15

Sep

by JollyOrc

Magis­ter Heu­brandt fand die Infor­ma­tio­nen, die Tarek ihm lie­fern konnte tat­säch­lich wert­voll genug, um ein paar Gold­mün­zen zu zah­len. Read more

31

Jul

by JollyOrc

Bei Magis­ter Heubrandt

Die Woh­nung von Magis­ter Heu­brandt stank nach fau­len Eiern. Tarek fragte sich, ob der alte Magier nicht viel­leicht sei­nem Die­ner zu viel bezahlte, dann aber fiel ihm ein, dass Heu­brandt ja auch gele­gent­lich alche­mis­ti­sche Expe­ri­mente betrieb. Und rich­tig, als der Magis­ter Tarek in sei­ner Biblio­thek emp­fing trug er noch einen leicht schmud­de­li­gen Kit­tel über sei­ner Robe.

Ah, Herr Birk, schön Sie wie­der­zu­se­hen. Haben Sie etwa Neu­ig­kei­ten für mich?“ Read more

7

Jul

by JollyOrc

Der König ist Tot!

Die Nach­richt traf alle voll­kom­men uner­war­tet: Der geliebte König Ger­rit, er war tot.

Natür­lich wusste jeder, dass Ger­rit ein alter Mann war, aber wer rech­net schon damit, dass der Mann, den alle eigent­lich nur als ein­zi­gen König kann­ten, plötz­lich weg sein würde?

Nun also trug Catara Trauer, aber im Hafen­vier­tel ging das Leben den­noch wei­ter. Tarek war sich sicher, „die da Oben“ wür­den sich schon irgend­wie eini­gen. Bis dahin würde er hof­fent­lich an den Feh­den eini­ger Adels­fa­mi­lien mit­ver­die­nen. Read more

26

Mai

by Carsten

König Gerrits Sommersitz

König Ger­rits Sommersitz

König Ger­rit von Catar hatte vor weni­gen Jah­ren sein 60stes Thron­ju­bi­läum gefei­ert und sah mit Mitte 80 immer noch aus wie ein Mitt­vier­zi­ger und hatte auch den ent­spre­chen­den Élan. Er regierte sein Reich, Catara, gütig, weise, und mit der Unter­stüt­zung des Vol­kes. Ein jeder Bür­ger, egal ob er Mensch, Ork oder ein Ver­tre­ter einer ande­ren Rasse war, konnte nur ein­ge­ste­hen, dass die Herr­schaft Ger­rits wahr­haf­tig ein Gol­de­nes Zeit­al­ter war. Seit drei Gene­ra­tio­nen hatte es kei­nen Krieg gege­ben und das Land pros­pe­rierte. Ger­rit hatte den Unte­ren und den Obe­ren Rat ein­ge­rich­tet, und den Unte­ren Rat dem Volk zur Wahl gestellt.

Auch der Fron­dienst war abge­schafft, und viele Fürs­ten und Ade­lige spar­ten sich den Unter­halt eines gro­ßen Hee­res. Statt­des­sen sorg­ten klei­nere, eher zivil aus­ge­rich­tete Wach­trup­pen in den Städ­ten und auf den Stra­ßen für Recht und Ordnung.

Ins  Reich war eine gewisse Ruhe ein­ge­kehrt: Die Ade­li­gen führ­ten ihre Feh­den lie­ber vor Gericht, Söld­ner waren ein­fach auf Dauer sehr kost­spie­lig. Die Kir­che des Hei­li­gen Vaters Ele­gil wachte über die Mauer und im Nor­den ging es auch ver­hält­nis­mä­ßig zivi­li­siert zu. Der Orden des Zwei-Gesichtigen Erz­en­gels Jalenu hatte alle Spu­ren von Dämo­nen inner­halb des Rei­ches aus­ge­merzt, und wann immer sich die Unter­welt öff­nete waren sie auch zur Stelle. Die Haupt­auf­gabe des Ordens war aber die Siche­rung der Mauer im Süden Fellands.

Die sich immer mal wie­der öff­nen­den Tore zu Unter­welt konn­ten in Catara selbst leicht geschlos­sen wer­den, aber die wil­den Lande des Südens gab es keine einende Kraft, wel­che sol­che Ziele ver­folgte. Die Kir­che betrieb eif­rige Ver­su­che die Bar­ba­ren zu mis­sio­nie­ren. Den­noch gab es einige Land­stri­che in denen Untote Aus­ge­bur­ten der Unter­welt einen Pakt mit den Men­schen geschlos­sen hat­ten. Teil­weise agier­ten die Unto­ten dort sogar unan­ge­foch­ten als Herr­scher. Gerüch­ten zufolge, gab es weit im Süden einen Herr­scher, der ange­fan­gen hatte die Stämme zu einen und die Gefahr der Unto­ten zu kon­trol­lie­ren. Aber wie es wirk­lich darum stand, das wusste niemand.

In Catara schickte der Hei­lige Vater in Not­fäl­len seine Erz­en­gel sogar direkt, um sich der Pro­bleme anzu­neh­men. Der Han­del mit den Zwer­gen war zwar sehr stark zurück­ge­gan­gen, aber mit die­sen Göt­zen­an­be­tern, die Feuer und Eis hul­dig­ten, wollte man auch nicht viel zu tun haben. Das die Dra­gos ihrem Dra­chen hul­dig­ten, war zwar auch etwas suspekt, aber dafür brach­ten ihre Schiffe, genau wie die der Elfen, jede Menge Waren und Reich­tum in das Land. Es war auch fast 60 Jahre her, dass ein paar Hel­den, die den Gro­ßen Hel­den des Krie­ges nach­ei­fer­ten, die Fel­i­dae zurück­ge­bracht hat­ten. Irgend­ein fehl­ge­schla­ge­nes Ritual hatte die Fel­i­dae nicht nur ver­schwin­den las­sen, son­dern auch noch das kol­lek­tive Gedächt­nis an sie gelöscht.

Auch ansons­ten hatte sich viel getan. Die Feu­er­waf­fen, wel­che im letz­ten Krieg in Mode gekom­men waren, hat­ten sich lei­der als nicht all zu zuver­läs­sig erwie­sen. Der Segen der Göt­ter löste offen­bar einen klei­nen aber wich­ti­gen Bestand­teil des Schwarz­pul­vers auf, was die ganze Geschichte sehr ungüns­tig machte, denn wer wollte schon auf den Segen und die Hei­lung des Hei­li­gen Vaters und der Erz­en­gel ver­zich­ten? In ande­ren Berei­chen der Magie und der Tech­nik waren aber schon Fort­schritte gemacht wor­den, wes­we­gen z.B. gedruckte Flug­blät­ter in jeder Stadt für ein paar Pfen­nige zu erwer­ben waren, und Catar jetzt nachts von dem sanf­ten Schein gas­be­trie­be­ner Lam­pen erhellt wurde.

Doch nichts sollte ewig hal­ten, und wäh­rend das Leben in Catara gut erschien, brau­ten sich am Hori­zont erste Wol­ken zusammen…