Wir hat­ten den Insel-Posten der Dra­gos also hin­ter uns gelas­sen. Ein Angriff schien uns doch zu gefähr­lich, und wir hat­ten ja jetzt auch die Ver­ant­wor­tung für die Mann­schaft. In der Nähe der Küste such­ten wir einen Fluss und dann sam­mel­ten wir Frisch­was­ser, fri­sches Essen und etwas Holz ein. Read more

4

Mai

by JollyOrc

Nach­denk­lich beugte Mr. Roberts, frisch­ge­ba­cke­ner Navi­ga­tor der Perle der See über die Karte. Drago-Geheimzeichen bil­de­ten den größ­ten Teil der Legende. Einige der les­ba­ren Kom­men­tare waren so kryp­tisch for­mu­liert, dass er nicht sagen konnte, ob sie auf sichere Häfen hin­wie­sen oder vor Gefah­ren warnten.

Das Wort „Mael­strom“ dort im Osten ver­hieß sicher nichts gutes, und die gekreuz­ten Gebeine unter dem Dra­go­schä­del hier im Süd­wes­ten garan­tiert ebenso.

Seuf­zend rollte er die Karte zusam­men — sollte doch Kapi­tän Pelz ent­schei­den wel­cher Kurs der Beste sei!

20

Apr

by Carsten

Wir hat­ten also unser eige­nes Schiff. Des Meer hatte gege­ben, und zwar gut. Nun muss­ten wir zuse­hen wie wir an Vor­räte kom­men wür­den. Or-Koris hatte uns sicher in den klei­nen Hafen von Trakha geführt, und ehe ich mich ver­se­hen hatte, war ich der Ver­hand­lungs­füh­rer mit dem loka­len Sprecher.

Nach eini­gem hin und her (und ein paar Expe­ri­men­ten von Fer­gus) hat­ten wir uns geei­nigt. Wir waren 280 Gold, 15 Kano­nen und das Rezept für Schwarz­pul­ver ärmer und hat­ten 21 befreite Skla­ven hier zurück­ge­las­sen. Wir hat­ten diese natür­lich noch ein­mal auf die Unge­wiss­heit ihres Schick­sals hier auf­merk­sam gemacht, was auch einige über­zeugte bei uns zu blei­ben, aber diese 21 trenn­ten sich von uns. Hof­fent­lich wür­den ihre See­len zu Dre­kon fin­den. Dafür waren wir um Vor­räte für einen Monat und einen Lade­raum voll Knob­lauch reicher.

Unser nächs­tes Ziel war der soge­nannte Stie­fel­fel­sen, ein Versorgungs-Stützpunkt der Dra­gos, wo wir hoff­ten leichte Beute an Schwarz­pul­ver zu machen. Auf dem Weg erblick­ten wir noch von wei­tem eine Meer­jung­frau, aber wir konn­ten sie weit umschif­fen, und ich ver­suchte auch etwai­gen Aber­glau­ben mit einem Gebet an Or-Koris im Zaum zu halten.

Als wir die Insel am Hori­zont erbli­cken konn­ten war­te­ten wir erst ein­mal die Nacht und den Schutz der Dun­kel­heit ab, um uns dann vor­sich­tig der Insel zu nähern und bald auf ein Ruder­bot zu wech­seln. Mit die­sem lan­de­ten wir erst an einer klei­nen Vor­in­sel an. Dort fan­den wir sogar einen ver­ges­se­nen Vor­rats­raum, aber sonst weder Spu­ren noch etwas ande­res hilfreiches.

Das Meer zwi­schen die­sem Eiland und der grö­ße­ren, fel­si­gen Insel war ein Zei­chen und Mahn­mal für den neh­men­den Aspekt von Or-Koris: Min­des­tens sie­ben Schiffe lagen auf den Rif­fen, wel­che die Insel schütz­ten. Vor­sich­tig began­nen wir uns mit dem Ruder­bot der Stelle zu nähern, wo wir eine Ruine eines Leucht­turms aus­ma­chen konnten.

Als wir näher kamen, schien hin­ter einer Klippe Licht her­vor, und ein Stück wei­ter konn­ten wir dann sehen, dass quasi ein klei­nes Dorf an die Fels­wand gebaut wor­den war. Dar­un­ter befand sich ein Anle­ge­platz und eine Höhle, und uns war sofort klar, das wir, sofern wir uns nicht end­gül­tig der Pira­te­rie ver­schrei­ben woll­ten, nicht diese Sied­lung von Men­schen und Dra­gos angri­fen würden.

Da die sons­ti­gen Fel­sen der Insel wenig ein­la­dend schie­nen, beschlos­sen wir noch die Insel zu umrun­den, dann aber wahr­schein­lich unse­rer Wege zu zie­hen. Am ande­ren Ende der Insel konn­ten wir noch einen kleine Bucht, die einem Ruder­bot das Anle­gen ermög­li­chen würde erken­nen, und beschlos­sen nun in Ruhe auf unse­rem Schiff noch ein­mal über alles nachzudenken.

19

Apr

by Andy

Das muss man den Cata­re­ren las­sen, wenn es etwas gibt, das sie zum han­deln moti­viert, das sie beschreibt und defi­niert, dann ist es der Drang zur Frei­heit. Darin sind sie den Elben sehr ähnlich.

Es gibt wenig scheuß­li­che­res als Sklaverei.

Nach­dem wir uns also ein paar Wochen lang das Schau­spiel der Dra­gon ange­schaut hat­ten, wurde es Zeit, dass Calan und ich unse­ren Plan in die Tat umset­zen soll­ten. Zuerst weih­ten wir unsere Gefähr­ten ein. Calan und ich hat­ten beschlos­sen, dass wir die Skla­ven auf die­sem Schiff befreien wollten.

Keine Schiffs­pas­sage, keine Eile, kein Kon­kur­renz­kampf gegen Ser Kins­bane kann so wich­tig sein, als dass man diese Gefan­ge­nen der Skla­ve­rei über­las­sen sollte. Unser Plan war ein­fach und effek­tiv. Wir woll­ten alle Dra­gos mit Hilfe einer Kräu­ter­tink­tur ver­gif­ten und dadurch unschäd­lich machen. Danach wür­den wir die Skla­ven befreien und mit ihrer Hilfe wei­ter nach Batar fahren.

Tat­säch­lich funk­tio­nierte unser Plan erschre­ckend gut.

Aber so ist es. Wer gegen Skla­ve­rei vor­geht, auf den bli­cken die Ahnen und wohl auch diese cata­ri­schen Erz­en­gel wohl­wol­lend. Fer­gus erwies sich als unglaub­lich große Hilfe. Jeder weiß, dass Halb­linge reich­hal­tige Spei­sen gene­rie­ren kön­nen. Und auch, wenn ich diese Ver­schwen­dung mit einem lachen­den aber auch einem wei­nen­den Auge sehe, so hat sie hier ihre Wir­kung getan.

Fer­gus bot dem Smutje an, dass er gern in der Küche mit aus­hel­fen könne, und die­ser biss sofort dar­auf an, da es sich wohl heute um den Geburts­tag der Cap­tains han­delte und er gern auf die Hilfe eines Halb­lings zurück­grei­fen würde. So hatte uns das Schick­sal also auch den Tag genannt, an dem wir unse­ren Plan umset­zen soll­ten. Heute.

Fer­gus zau­berte einen Nach­tisch, den die Dra­gos so schnell nicht ver­ges­sen wür­den. Glück­li­cher­weise hatte ich noch eine Fla­sche die­ses mys­te­riö­sen Dra­go­blut­weins bei mir, so dass wirk­lich kaum jemand die­sem Nach­tisch wider­ste­hen konnte, nach­dem wir Fer­gus‘ berühm­ten Brot­pud­ding in die­sem Wein getränkt hatten.

Calan nahm den Dra­gos die Schlüs­sel und Waf­fen ab und wir teil­ten uns auf. Wäh­rend er unter Deck ging um die Skla­ven zu befreien, suchte ich die Waf­fen­kam­mer, um die Skla­ven bewaff­nen zu kön­nen. Glück­li­cher­weise fand ich neben die­sen selt­sa­men alten cibola­ni­schen Donn­erwaf­fen auch noch die echte Waf­fen­kam­mer, so dass wir die Befrei­ten mit Spee­ren und Säbeln aus­stat­ten konnten.

Viel­leicht hat­ten wir die Men­schen etwas unter­schätzt, oder aber die weni­gen Wochen unter Deck hat­ten sie doch mehr ver­grätzt, als wir Elben dach­ten. Jeden­falls war es gera­dezu ein Wun­der, dass Calans Sil­ber­zunge die Meute davon abhal­ten konnte sofort alle Dra­gos nie­der­zu­ma­chen. Statt­des­sen konn­ten wir die Über­le­ben­den in ein Bei­boot brin­gen und auf See aussetzen.

Nach­dem das recht gut funk­tio­niert hatte, war uns klar, dass es jetzt wei­ter nach Batar gehen würde. Doch weit gefehlt. Ich kann die Skla­ven gut ver­ste­hen, dass sie gern in ihre Hei­mat fah­ren möch­ten, aber ein paar Monate mehr oder weniger…

So blieb uns also nichts ande­res übrig, als eine eigene Mann­schaft zu bil­den: Wir ernann­ten Wal­ter flugs zum Kapi­tän. Ich wurde der erste Maat und Waf­fen­meis­ter. Wie­gand war der Zeug­meis­ter. Fer­gus wurde der Smutje und Calan… nun er war der Priester.

Wir ent­schie­den also, dass die jeni­gen, die nicht unter unse­rer Flagge segeln woll­ten, am nächs­ten Hafen austei­gen durf­ten. Der Rest würde mit uns nach Batar reisen.

12

Apr

by Carsten

Calar Dio­me­dea warf sich in sei­ner Hän­ge­matte unru­hig hin und her. Nur mit Mühe hatte er in die elfi­sche Medi­ta­tion fin­den kön­nen, und selbst diese brachte ihm nicht die gewöhn­li­che Ruhe. Die Worte des klei­nen Halb­lings mit dem gro­ßen Her­zen hall­ten in sei­nem Kopf wie­der „Man kann diese armen Skla­ven doch nicht ein­fach ihrem Schick­sal über­las­sen, was sagt dein Gott dazu?“ — „Das Meer gibt, und das Meer nimmt“, hatte Calar mit einem Ach­sel­zu­cken geantwortet.

Wie­der und wie­der fuh­ren die Worte von Fer­gus und seine eigene Ant­wort über Calar hin­weg. Hin und her, wie die Wel­len des Mee­res. Das Meer gibt… das Meer nimmt…

Rau­schend brei­tete sich das end­lose Was­ser unter dem Alba­tross Calar aus. In kei­ner Him­mels­rich­tung war Land zu sehen, und nichts ande­res erwar­tete er. Calar war an einem per­fek­ten Ort, so nah an Or-Koris wie nie zuvor. Plötz­lich erblickte er eine Insel in Or-Koris‘ Meer. Neu­gie­rig flog er näher, ver­wun­dert was das zu bedeu­ten habe. Auf der Insel sah Calar eine Gestalt, huma­noid, und in Roben gewan­det. Ein Pries­ter von Or-Koris. Warum war die­ser auf einer Insel, fragte sich Calar, da bemerkte er, dass aus den Ärmeln der Robe Sand rieselte.

Der Pries­ter, abwe­send oder gar exta­tisch damit beschäf­tigt die hei­li­gen Ges­ten zu voll­füh­ren, merkte gar nicht, dass er beim Beten und Lob­prei­sen den Sand ver­streute, und die Insel lang­sam grö­ßer wurde. Bald begann sich um den Pries­ter gar ein Tem­pel zu erhe­ben, und Calars Herz froh­lockte, denn es war der größe und schönste Tem­pel zu Or-Koris Ehren, den er je gese­hen hatte. Nun würde sich Or-Koris nicht mehr hin­ter Ele­gil ver­ste­cken brau­chen, oder hin­ter ande­ren „Hei­li­gen“ zurückstehen!

Und schon war der pracht­volle Tem­pel fer­tig­ge­stellt. Der Pries­ter begann den Segen zu spre­chen, der den Tem­pel Or-Koris über­ge­ben sollte, als Wind auf­kam, und mäch­tige Wel­len das Fun­da­ment umspül­ten. Bevor sich das Ent­set­zen ganz in Calar dem Alba­tross aus­ge­brei­tet hatte, war der prunk­volle Schrein zer­fal­len, die Insel in den Wel­len versunken.

Ver­ständ­nis­los drehte er seine Kreise über den über­spül­ten Rui­nen. Warum hatte Or-Koris den Tem­pel zerstört?

Calar wachte schweiß­ge­ba­det auf. Auf­ge­bracht ging er an Deck um sich vor­sich­tig der Reling zu nähern. Sein Blick streifte über die Küste, über den Him­mel und blieb letzt­end­lich doch an den Wel­len hän­gen, in denen sich schwach das Ster­nen­licht wie­de­spie­gelte. Was wollte ihm seine Vision sagen? War Or-Koris erzürnt?

Nach einer gan­zen Weile glaubte er zu ver­ste­hen. Das Meer gibt, das Meer nimmt. Nicht der Mensch. Der Pries­ter in sei­nem Traum hatte sich ange­maßt zu ent­schei­den, etwas zu geben. Dabei gab es einen guten Grund, warum nur Schiffe zu Tem­peln von Or-Koris gemacht wur­den. So blieb die Ent­schei­dung letzt­end­lich in der Hand des Got­tes. Und genauso war es anma­ßend, die Lebe­we­sen im Lade­raum als Skla­ven zu hal­ten. Nur die Göt­ter, oder die Lebe­we­sen selbst hat­ten das Recht, über ihr Schick­sal zu ent­schei­den. Der Drago durfte nicht ein­fach nehmen.

Ele­gils Edikt gegen die Skla­ve­rei stand im Ein­klang mit Or-Koris Geset­zen, und viel­leicht war es sogar die Ver­bin­dung mit den ande­ren Mit­glie­dern der Hei­li­gen Fami­lie, die Or-Koris zu dem machte, was Calar beein­druckte. Denn war nicht auch der Alba­tross zwar eine Krea­tur von Or-Koris, aber gleich­zei­tig ein Bote an den Erz­en­gel Dre­kon? Diese Dra­gos scher­ten sich kein biß­chen um die Gesetze oder den Glau­ben der Cata­rer, und das zeig­ten sie deutlich…

Wir saßen grade noch im Messer­haus und über­leg­ten uns, wie wir denn jetzt an die von den Dra­gos gefor­der­ten 40 Gold kom­men wür­den, als Or-Koris die Frage beant­wor­tete. Das Meer gab, und zwar den (mensch­li­chen) Kapi­tän eines schnel­len Drago-Schiffs, der bereit war uns für etwas Hilfe bei einem kur­zen Unter­fan­gen mit Pira­ten recht­zei­tig und ent­lohnt zum ver­pass­ten Schiff zu brin­gen. Ein so gutes Ange­bot konn­ten wir nicht ableh­nen, und auch die ande­ren erkann­ten den Wink von Or-Koris und so gin­gen wir an Bord der Schwarz­perle. Es schien, als hät­ten ein paar ein­fa­che See­rä­über durch einen glück­li­chen zufall einen gro­ßen Schatz in Form von 4 Kis­ten aus­ge­rech­net den Dra­gos gestoh­len. Der Kapi­tän hatte gute Infor­ma­tio­nen über das Ver­steck der Diebe, und wir ver­such­ten deren Schiff noch vor Errei­chen des Ver­stecks abzufangen.

Das Abfan­gen gelang auch, aber die Geg­ner konn­ten sich mit Hilfe einer Arba­leste und einer Art Treibanker-Bolzen unse­rer fast erweh­ren, bis Fer­gus völ­lig toll­kühn (wahr­schein­lich von den Dra­gos und deren Kapi­tän ange­spornt) sich in die Segel der Feinde kata­pul­tie­ren ließ und diese ent­zün­dete. beim Ver­such der Pfeil-Antwort der Besat­zung zu ent­ge­hen wär­ten dann nicht nur er, son­dern auch der Kapi­tän um ein Haar zu Or-Koris geholt wor­den, aber es war wohl noch nicht an der Zeit und mein Gott erwies sich gnä­dig. Das feind­li­che Schiff gestellt, stell­ten wir fest das sich dar­auf nur eine Not­mann­schaft befand, um Ver­fol­ger (wie uns) von dem gestoh­le­nen Schiff mit der Beute abzulenken.

Also muss­ten wir doch in Rich­tung des Ver­stecks wei­ter­rei­sen. Von der gefan­ge­nen Mann­schaft über alle wich­ti­gen Details infor­miert segel­ten wir im schutze der Däm­me­rung auf dem Pira­ten­schiff an das ver­misste Schiff heran. Zügig über­wäl­tig­ten wir die Wachen, aber der Wach­pos­ten auf einem Holz­turm auf der Insel bemerkte uns und schlug Alarm. Wir setz­ten schleu­nigst zur Insel über und bemerk­ten sofort die Spur vor etwas, was wir für die besag­ten vier Kis­ten Beute hiel­ten. Diese führe uns, neben einer gekapp­ten Brü­cke, wel­che uns nicht lange auf­hielt, an den ande­ren Strand der Insel, wo wir die Gau­ner stell­ten, bevor sie sich davon machen konn­ten. Der Kapi­tän besiegte den Geg­ner im Duell und wir waren um einen ordent­li­chen Anteil der Beute rei­cher. Nach einem kur­zen Stopp um die Beute los­zu­wer­den bei dem wir uns mit Heil­mit­teln aus­rüs­te­ten und auch glück­li­cher­weise daran dach­ten unsere ver­spro­chene Beloh­nung im Rilos-Tempel abzu­ho­len, ging es dann end­lich auf zur Perle der Süd­see, und damit in unbe­kannte Gewässer…

Der Drago-Kapitän der Perle war weni­ger glück­lich über uns als Pas­sa­giere, als wir erwar­tet hät­ten, aber wahr­schein­lich lag das beson­ders daran, dass wir nun dank unse­res Han­dels nicht als zah­lende Gäste mit­fuh­ren. Nach ein paar Tagen bemerk­ten wir, dass der Drago, wie es bei den Dra­gos üblich ist, Skla­ven an Bord hatte. Mir und Kiirion war nach einem kur­zen Gespräch mit den Gefähr­ten klar, dass diese mit ihren hek­ti­schen Natu­ren die Situa­tion nicht ange­mes­ser beur­tei­len konn­ten, wes­we­gen wir Elben erst ein­mal unter uns plan­ten. Einige Besu­che unter Deck zeig­ten mir den Gesund­heits­zu­stand und die Anzahl der Skla­ven, und nach eini­ger Augen­wi­sche­rei auch, dass ein paar Elben-Sklaven vor mei­nen Besu­chen in der Brig ver­steckt wurden.

Mit jeder Stunde ent­fern­ten wir uns wei­ter von der uns gewohn­ten Gegend, was wir auch an selt­sa­men Rie­sen­fi­schen und noch unge­wöhn­li­che­ren Mee­res­ge­tier wie einem See­dra­chen bemerk­ten. Diese schie­nen sich aber glück­li­cher­weise damit zu begnü­gen in unse­rem Heck­was­ser von unse­ren Abfäl­len zu leben. Ich war mir ziem­lich sicher, dass Or-Koris mir sagen wollte, das dies nun­mal der Gang des Lebens sein, und es immer einene grö­ße­ren Fisch gäbe, aber wäh­rend ich die Wun­den der Gefan­ge­nen ver­sorgte und ihnen Mut zusprach war mir den­noch ob ihres Schick­sals unwohl.

Wir alle ver­such­ten Infor­ma­tio­nen zu sam­meln, wie lange sie Skla­ven an Bord blei­ben wür­den, und was noch so auf uns zukom­men würde. Uns wurde klar, dass wir die Skla­ven, wenn wir denn etwas unter­neh­men woll­ten, inner­halb der nächs­ten 2–3 Wochen ange­hen müss­ten, da sie danach an einem Hafen auf dem Weg ver­kauft wer­den soll­ten. Sie aus dem Schiff zu schmug­geln oder frei­zu­las­sen erschien, auch auf­grund der gefähr­li­chen Unge­heuer im Was­ser, keine erfolg­ver­spre­chene Option, aber zum Glück stell­ten wir fest, dass ein Groß­teil der Gefan­ge­nen See­leute waren, die uns sicher mit dem Schiff hel­fen kön­nen wür­den, wenn wir es dar­auf anle­gen wür­den. Kiirion und ich offen­bar­ten den ande­ren unse­ren Plan kurz nach­dem wir die Mee­resenge zum Gif­ti­gen Meer durch­quert hatten.

Wir wür­den die Drago-Mannschaft mit Hilfe von Kräu­tern unter Dro­gen set­zen oder sogar betäu­ben und dann mit dem Schlüs­sel vom Quar­tiers­meis­ter die Gefan­ge­nen befreien. Dann könn­ten wir uns der Dra­gos ent­le­di­gen, und mit den befrei­ten Skla­ven die wei­ter­reise antreten.

Lei­der sahen unsere Gefähr­ten, jeder für sich, die Sache unter­schied­lich, und jetzt dis­ku­tie­ren wir immer noch was die beste Her­an­ge­hens­weise ist. Ich denke, dass wir die Skla­ven nicht vom Schiff bekom­men, ohne es uns mit den Dra­gos zu ver­scher­zen, und des­we­gen diese aus­schal­ten müs­sen. Wie­gand möchte, ob des Ver­trau­ens in die See-Kenntnis der Dra­gos, lie­ber mit die­sen wei­ter­se­geln. Ich denke ja das der Navigator-Sklave uns genauso gut die Rich­tung wei­sen würde, und finde es sowieso selt­sam, wo Wie­gand doch immer sagt, dass wir gar keine Auf­gabe auf Bataar haben, warum er jetzt gegen die poten­ti­elle Über­nahme des Schiffe ist. Wir wer­den am bes­ten dar­über schla­fen und dann weitersehen…

29

Mrz

by JollyOrc


Die See hält viele Legen­den und Geschich­ten bereit. In den Schän­ken der Hafen­städte erzäh­len bär­bei­ßige See­leute von Fischen, so groß wie ein Haus, von gefähr­li­chen Haien und rie­si­gen Kra­ken, von Unwet­tern und wan­dern­den Rif­fen. Und manch­mal, wenn die Män­ner betrun­ken und ver­ängs­tigt sind, dann spre­chen sie von den Ver­fluch­ten Or-Koris, den Meerjungfrauen.

Auch wenn kaum ein See­mann von sich behaup­ten kann, je eine gese­hen zu haben: Jeder, der Or-Koris Reich befährt, glaubt fest an ihre Exis­tenz. Es heisst, sie seien die wie­der­ge­bo­re­nen See­len talo­ri­scher See­he­xen, auf ewig dazu ver­dammt in der Zwi­schen­zone von Luft und Was­ser zu leben. Ihr Kör­per muss stets feucht gehal­ten wer­den, ihr Fisch­schwanz ver­bie­tet es ihnen sich an Land fort­zu­be­we­gen — und doch müs­sen sie Luft atmen und frie­ren in kal­tem Wasser.

Es ver­wun­dert nicht, dass sol­che Geschöpfe von ste­ter Wut auf ihr Schick­sal erfüllt sind, und jeder See­mann fürch­tet eine Begeg­nung mit ihnen: Man sagt, dass dem­je­ni­gen der eine Meer­jung­frau erblickt oder gar ihr Weh­kla­gen hört ein schlim­mes Schick­sal erei­len wird…

(für die Unter­ma­lung: The Decem­be­rists — „The Mariner’s Revenge Song“)

22

Mrz

by JollyOrc

Shelly und seine Crew waren in Hoch­stim­mung — wer hätte geahnt, dass es so ein­fach sein würde das mäch­tige Haus Rassk aus­zu­rau­ben. Wahr­schein­lich hatte nie­mand damit gerech­net, dass die Crew des Dunk­len Fal­ken so dreist sein würde: Sie gaben sich ein­fach als die­je­ni­gen aus, die die wert­volle Fracht ver­schif­fen sollten.

Über­nom­mene Iden­ti­tä­ten, gestoh­lene Code­wör­ter, ein geschickt gefälsch­ter Brief — das hat aus­ge­reicht, um die vier schwe­ren Schatz­tru­hen in Emp­fang zu neh­men. Und mit dem hal­ben Dut­zend Drago­wa­chen konn­ten sie in einem Moment der Nach­läs­sig­keit kur­zen Pro­zess machen. Nun muss­ten sie nur noch die Schätze gewinn­brin­gend ver­kau­fen, und sie hät­ten alle für immer aus­ge­sorgt. Shelly lehnte sich in die Seile und genoss den Wind auf sei­nem Gesicht — das Leben war gut.

Seit zwei­hun­dert Jah­ren gilt unter den hohen Fami­lien der Dra­gos eine Regel: Wer den hei­li­gen Zahn Drakk­hars von Raven­stein hält, des­sen Stimme hat im Dra­chen­rat Gewicht.

Die letz­ten fünf­zig Jahre hielt Haus Rassk diese Ehre, doch nun wurde er gestoh­len! Gold, Geschmeide und Arte­fakte — all das haben sie sich ange­eig­net, und eben den Hei­li­gen Zahn, ver­steckt in einem gold­ver­zier­ten Buch.

Berauscht von ihrem Erfolg, nicht ahnend was für einen Fre­vel sie began­gen haben, segeln die Diebe über das Süß­was­ser­mehr, nicht ahnend was für eine Jagd nun auf sie eröff­net würde. Wel­ches Drago­haus würde sie wohl als ers­tes finden?

End­lich soll­ten wir diese ver­fluchte Höhle ver­las­sen. Sir Kins­bane und sein Gefolge waren schon wie­der Rich­tung Urias‘ Wacht auf­ge­bro­chen und nun soll­ten auch wir die­sen Ort verlassen.

Die­ser Sir Kins­bane erregt die Gemü­ter mei­ner Mit­strei­ter doch sehr. Wäh­rend er unab­streit­bar ein Held und Strei­ter für das Gute ist, so hegt zumin­dest Fer­gus einen offe­nen Groll gegen den Rit­ter. Wal­ter ist auch offen gegen den Hel­den Gor­ne­mün­des und Wie­gand ver­langt nach Hand­lungs­an­wei­sun­gen, wie wir uns Kins­bane gegen­über ver­hal­ten wollen.

Wahr­schein­lich ist es das, was Men­schen so… ein­zig­ar­tig macht. Wal­ter und auch Wie­gand strit­ten mit uns, ob wir denn nun mit Kins­bane zusam­men­ar­bei­ten sol­len, dann aber auch voll und ganz, oder ob wir gegen ihn arbei­ten sol­len. Calans Ein­schät­zung traf so sicher ins Schwarze, wie ein Elben­pfeil: Natür­lich liegt die Ant­wort in der Mitte.

Dass Sir Kins­bane uns ein wei­te­res mal zu einer laut­star­ken Dis­kus­sion getrie­ben hat, belegt ja nur, dass er bereits jetzt eine ziem­lich Macht über uns aus­übt. Wir einig­ten uns jeden­falls dar­auf, dass wir im grunde so wei­ter machen, wie bis­her: Nicht zu viel preis­ge­ben, nicht zu viel behindern…

Wir ver­lie­ßen jeden­falls die Höhle und bemerk­ten sofort, dass Sir Kins­bane offen­bar auch einen gro­ßen Ein­fluss auf die Dorf­be­woh­ner hatte. Der Wach­turm, der den Höh­len­ein­gang bewa­chen sollte, war nicht mehr besetzt. Wir eil­ten also ins Dorf und beka­men gerade noch mit, dass Sir Kins­bane große Ver­kün­dun­gen machte:

Der Fluch sei gebro­chen, die Bewoh­ner, wür­den für ihre treuen Dienste am Reich durch die Kir­che belohnt wer­den, Urias würde hier eine Beer­di­gung erhal­ten und wir, die guten Strei­ter aus Gor­ne­münde wür­den uns eine Beloh­nung im Rilos­tem­pel in Catar abho­len können.

Er nimmt das Ruder in die Hand, das muss man ihm neid­los zugestehen.

Urias wurde sogleich durch eine ergrei­fende Beer­di­gung den Hän­den Dre­kons über­las­sen. Sir Khan, der Pala­din hielt eine Zere­mo­nie ab, die sehr bewe­gend war. Er hoffe, dass Urias Seele nach der lan­gen Zeit der Qual in der Hex­er­höhle nun end­lich Ruhe und Frie­den fin­den könne. Aller­dings zwei­felte er bereits daran, da Urias‘ Schwert wohl ver­lo­ren gegan­gen sei und dies bestimmt wei­ter­hin für Unfrie­den für Urias Seele sor­gen würde.

Abends wur­den wir alle von den Dorf­be­woh­nern zu einem Fest ein­ge­la­den und hat­ten gele­gen­heit mit den Gefolgs­leu­ten Kins­banes zu reden. Seine Gruppe wollte nach Ossum rei­sen, damit Kins­bane seine Fami­lie dort besu­chen könne. Irgend­wann spä­ter würde sie ihr Weg aller­dings nach Bataar, die­ser wun­der­sa­men Insel im süd­li­chen Meer führen.

Es sollte wohl so aus­se­hen, dass wir etwas Zeit gewon­nen hat­ten, war die Reise nach Urias‘ Wacht doch mehr ein Wett­ren­nen, als eine Reise. Das Schiff nach Bataar war natür­lich bereits vor ein paar Tagen aus Catar abge­reist und das nächste würde frü­hes­tens in ein paar Mona­ten folgen.

Kins­bane ritt also zu Pferd nach Ossum und wir folg­ten ihnen zu Fuß. Gern wäre ich direkt nach Catar gereist, aber meine Gefähr­ten sind offen­bar nicht son­der­lich gut zu Fuß, so dass sie lie­ber drei Tage in die fal­sche Rich­tung rei­sen um ein Schiff zu neh­men, als fünf Tage durch die Natür zu lau­fen und sich an ihren Geschen­ken zu erfreuen.

In Ossum ange­kom­men, mach­ten wir aller­dings eine erstaun­li­che Ent­de­ckung. Offen­bar lag dort ein Kult-Schiff, das laut Calar hoch­see­taug­lich war. Wir mut­maß­ten sofort, dass Sir Kins­bane, sei­nes Zei­chens Kul­tist, sicher­lich die­ses Schiff neh­men könnte, um direkt nach Bataar auf­zu­bre­chen. Ob dies nun wirk­lich so gesche­hen wird, wer­den wir nie erfah­ren, aber es moti­vierte meine Mit­strei­ter dazu einen schnel­len Weg nach Bataar fin­den zu wollen.

Wir nah­men in Ossum das Post­schiff über Gor­ne­münde nach Catar und tra­fen dort recht schnell ein. In Catar wollte Fer­gus unbe­dingt Wis­sen über bestimmte Schrift­rol­len bei der Aka­de­mie ein­ho­len und Wal­ter hatte irgend­wel­che Befürch­tun­gen ver­flucht wor­den zu sein, da er schlecht geschla­fen hatte. Sie gin­gen also zur Aka­de­mie und erzähl­ten uns am nächs­ten mor­gen Erstaunliches:

Wal­ter hatte wohl recht. Urias‘ Schwert, wel­ches er aus der Hex­er­höhle ent­wen­det hatte, hieß in wirk­lich­keit „Hexen­ham­mer“ und sei laut der Aus­sage eines Magier der Aka­de­mie von einer auf­ge­brach­ten Seele besetzt.

Zumin­dest mir wurde mul­mig bei dem Gedan­ken daran, dass nun nicht mehr Staub­flü­gel der hexer, son­dern wir per­sön­lich für die fort­ge­führte Qual an der Seele Urias‘ schul­dig sein soll­ten. Wal­ter, aber auch die ande­ren ließ der Gedanke kalt. Wahr­sche­lich ist so ein Schwert zu viele Gold­stü­cke wert, um mora­li­sche Beden­ken zuzu­las­sen. Irgend­et­was hat Wal­ter jeden­falls davon über­zeugt, dass er sich nur als wür­dig erwei­sen müsse, damit Urias‘ ihn irgend­wann in Ruhe lässt. Bis dahin solle er eben Schutz­ge­bete sprechen.

Über das Schick­sal Urias‘ denkt er ein­fach nicht nach, wahr­schein­lich als Schutz­re­flex, jetzt da wir erkannt haben, dass wir das Schwert mit hät­ten bei­set­zen müssen.

Wenn man zu lange Mons­ter bekämpft, wird man dann selbst irgend­wann zum Monster?

Fer­gus und Calar hat­ten die Nacht mit For­schern in der Aka­de­mie ver­bracht und konn­ten nun mit Erkennt­nis­sen über Navi­ga­tion und See­rou­ten auftrumpfen.

nun… ich muss zuge­ben, dass es mir voll­kom­men aus­reicht, wenn mich ein Schiff end­lich am rech­ten Fleck absetzt und ich auf dem Land sein kann.

Was diese Erkennt­nisse aber brach­ten, war fol­gen­des: Das Schiff war gezielt auf Gor­ne­münde los­ge­las­sen wor­den. Es war mit magi­schen Runen so gesteu­ert, dass das Schiff nach Gor­ne­münde trei­ben sollte und direkt dort seine untote Brut ablas­sen sollte.

Es war also nur der Anfang?

Fer­gus sagt jeden­falls, dass mit etwas Arbeit der Weg der „Schaum­krone“ zurück­ver­folgt werde könne. Zuerst muss­ten wir aber unse­rer Spur fol­gen und die führte nach Bataar. Wie wir erfuh­ren, war das Schiff nach Bataar erst vor zwei Tagen abge­reist und es war nicht auf dem direk­ten Weg nach Bataar unter­wegs, son­dern fuhr erst nach Drago­lad, der sagen­haf­ten Hei­mat der Dragos.

Mir kam die Idee mei­nen neuen Freund den Drago­händ­ler zu fra­gen, was er denn zu unse­rem Pro­blem des ver­pass­ten Schiffs sagen würde. Er nannte uns einen Preis von 40 Gold­stü­cken und unser Pro­blem sollte der Ver­gan­gen­heit angehören.

Es ist schön Freunde zu haben. Es wäre noch bes­ser, wenn diese kei­nen Wucher betrei­ben wür­den, denn 40 Gold­stü­cke kön­nen wir so schnell nie­mals auftreiben.

15

Mrz

by JollyOrc

…schon zwei Hel­den­grup­pen hat­ten inner­halb kür­zes­ter Zeit das Dorf erreicht und die Prü­fung bestan­den. Unter den Dorf­be­woh­nern war eine inten­sive Dis­kus­sion im Gange, wel­ches Vor­ge­hen wohl das Edlere war: Einer Kon­fron­ta­tion mit­tels Heim­lich­keit und nächt­li­chem Schlei­chen aus dem Weg zu gehen, oder im Zwei­fels­fall für das eigene Vor­ha­ben und das Wohl Aller mit der Waffe in der Hand einzustehen?

Gerade wollte Orr­lof Raben­zeh dar­auf hin­wei­sen, dass die Gruppe um den Pries­ter ja wenigs­tens sicher nie­man­den ver­let­zen wollte, da ertönte der Warn­ruf vom Wach­turm: Sir Kins­bane und die Sei­nen ver­lie­ßen gerade die Höhle!

Der Leich­nam von Urias, dem Berg der Raben­bucht war gebor­gen, seine Seele aus dem Dun­kel der Hex­er­höhle befreit. Behut­sam bahrte Pala­din Khan den toten Kör­per vor dem Lang­haus auf, wäh­rend sein Freund Sir Kins­bane zu den Dorf­be­woh­nern sprach:

Unser Ziel haben wir hier nicht erreicht — Der­kan Staub­flü­gel hat nichts hin­ter­las­sen was uns hilft. Aber wir kön­nen einem Hel­den des Rei­ches end­lich die letzte Ehre erweisen.“