6

Sep

by Andy

Mir fällt stän­dig die­se Weis­heit mit dem Mann und dem Fisch ein.

Gebe einem Mann einen Fisch und Du machst Ihn satt für einen Tag.
Leh­re ihm das Fischen und Du machst ihn satt für ein gan­zes Leben.“

Wahr­schein­lich haben die Bataa­rer von die­ser Weis­heit noch nie etwas gehört, denn ich war etwas erstaunt, was ihre Reak­ti­on betraf. Wir waren mit unse­rem erbeu­te­ten Elben­boot wie­der zur Flot­te zurück­ge­kehrt und hat­ten nun vor zur nächs­ten Insel auf­zu­bre­chen.

Wie lan­ge aber soll­ten wir die­ses Katz-und-Maus-Spiel wei­ter füh­ren. Der im Navi­ga­ti­ons­stein der „Wel­len­schlag“ fest­ge­leg­te Kurs jeden­falls wür­de sie noch jah­re­lang durch die See der tau­send Inseln kreu­zen las­sen und zahl­lo­se Dör­fer wür­den ihr noch zum Opfer fal­len.

Mein Vor­schlag war ein­fach. Die Bataa­rer soll­ten zur Nach­bar­in­sel auf­bre­chen und dort ihre Nach­barn vor der dro­hen­den Gefahr war­nen. Sobald die „Wel­len­schlag“ am Hori­zont auf­tau­chen wür­de, wür­den die Bewoh­ner ihr Dorf ver­las­sen und eine gewis­se Zeit spä­ter wie­der in ihr Dorf zurück­keh­ren. Dann wür­den sie jeman­den schi­cken, der die nächs­ten Nach­barn warnt und so wei­ter und so fort.

Aber was ent­geg­net mir die­ses eben gera­de erst von uns geret­te­te Pack? Wir wür­den der „Wel­len­schlag“ doch sowie­so fol­gen und könn­ten die Nach­barn doch selbst war­nen. man ver­ste­he sich halt nicht so gut mit der Nach­bar­in­sel.

Ich konn­te mei­nen Ohren kaum trau­en und am liebs­ten hät­te ich den Spre­cher die­ser undank­ba­ren Vol­kes stand­recht­lich über Bord wer­fen las­sen. Statt­des­sen fand ich ziem­lich deut­li­che Wor­te und mach­te den Bataa­rern klar, dass die­se Ein­stel­lung inak­zep­ta­bel war.

Erstaun­li­cher­wei­se lie­ßen ihre Holz­köp­fe ein paar mei­ner Wor­te hin­ein und sie erklär­ten sich bereit zur Nach­bar­in­sel zu fah­ren. Aber wie lang soll­te dies den gut gehen? Spä­tes­tens die Nach­barn wür­den wahr­schein­li­chen nie­man­den mehr zur über­nächs­ten Insel schi­cken.

Was soll es denn. Zumin­dest die­se Insel wür­den wir jetzt war­nen und sofern man mei­nen Berech­nun­gen glau­ben kann, hät­ten wir danach eine Woche Zeit, bis die „Wel­len­schlag“ wie­der auf bewohn­te Inseln tref­fen wür­de. Dann aller­dings wür­de die „Wel­len­schlag“ auf dicht besie­del­tes Gebiet sto­ßen. Was das bedeu­tet, dar­über möch­te ich jetzt noch nicht nach­den­ken.

Wir führ­ten also wie­der unser Katz-und-Maus-Spiel durch und wie­der hat­ten wir dadurch ein Dorf geret­tet. Aller­dings bohr­te die Gewiss­heit, dass wir dies nicht ewig so fort­füh­ren konn­ten.

Wir fass­ten also einen Ent­schluss. Es muss­te etwas gesche­hen. Ent­we­der wir müs­sen die „Wel­len­schlag“ ver­sen­ken, oder aber zumin­dest vom Kurs abbrin­gen. Ob dies die Unto­ten­pla­ge ver­nich­ten wür­de, sein dahin­ge­stellt, aber zumin­dest wür­den wir etwas gewin­nen, wovon wir ein­fach viel zu wenig hat­ten: Zeit.

Fer­gus, Wigand und ich nah­men also unser elbi­sches Boot und fuh­ren zur „Wel­len­schlag“! Wahr­schein­lich war es rei­ner Über­mut. Als wir auf das höl­zer­ne Unge­tüm zu fuh­ren, trau­ten wir unse­ren Augen nicht. Bis­her hat­ten wir immer nur die Sil­hou­et­te am Hori­zont gese­hen, aber jetzt da wir auf sie zuhiel­ten, wur­den wir von einer unglaub­li­chen Ehr­furcht gepackt. Die „Wel­len­schlag“ war gigan­tisch.

Zwei höl­zer­ne Rümp­fe ragen wie Trutz­bur­gen aus dem Meer hin­aus. Ein ein­zel­ner Rumpf war grö­ßer als jedes Schiff, dass man sich auch nur vor­stel­len konn­te. Und hier waren es gleich zwei. Die bei­den Rümp­fe waren mit einer Platt­form ver­bun­den, die so gigan­ti­sche Aus­ma­ße hat­te, dass eine gan­ze Stadt dar­auf ruh­te. Wir konn­ten bereits von See aus Häu­ser und Tür­me erken­nen. Wer noch nie einen Han­dels­rie­sen gese­hen hat, wird aus mei­nen Aus­füh­run­gen nicht die gebo­te­te Super­la­ti­ve her­aus­le­sen, daher beschrän­ke ich die Aus­füh­run­gen jetzt dar­auf.
Die „Wel­len­schlag“ ist so gigan­tisch, dass es der gesam­ten könig­li­chen Flot­te bedürf­te, um die zu ver­sen­ken. Und selbst das wür­de wahr­schein­lich schei­tern.

Was uns nun gerit­ten hat, ver­mag ich im Nach­hin­ein nicht mehr zu sagen. Aber ich schrei­be die­se Zei­len, wäh­rend ich mit­ten auf dem zen­tra­len Platz der Stadt sit­ze, die auf der Platt­form der „Wel­len­schlag“ ruht. Wir sind an Bord gegan­gen und haben uns umge­schaut, ob wir irgend­wo den Navi­ga­ti­ons­stein ent­de­cken kön­nen.

Ich bin mir mitt­ler­wei­le sicher, dass ich dank der Unter­la­gen, die Fer­gus mir bzgl. der Runen über­las­sen hat, den Stein umpro­gram­mie­ren könn­te, so dass wir in der Lage wären, die­ses Unge­tüm vom Kurs abzu­brin­gen. Aller­dings müs­sen wir dazu den Stein erst ein­mal fin­den.
Nun sind wir also hier und damit wahr­schein­lich die ers­ten Men­schen der Geschich­te, die sich unge­hin­dert auf einem elbi­schen Han­dels­rie­sen bewe­gen kön­nen.

Gut. Von dem Glanz, den die­ses Schiff ein­mal gehabt haben muss, ist nichts mehr übrig.
Das Unle­ben hat sich breit gemacht und man kann die­sen Umstand über­all spü­ren. Der Weg in die Stadt führ­te durch einen klei­nen Wald, der zu Blü­te­zei­ten bestimmt ein wun­der­ba­res Bild dar­ge­stellt hät­te. Jetzt war er kom­plett abge­stor­ben und furcht­ein­flö­ßend. Erstaun­li­cher­wei­se ist die­ses Schiff toten­still. Natür­lich lun­gern hier irgend­wo die Unto­ten her­um, in die­ser Stadt sind sie aller­dings nicht.

Die Unto­ten sind es aber auch nicht, was mich beun­ru­higt.

Wir haben hier auf dem Platz Stein­ta­feln gefun­den, die offen­sicht­lich hier her­ge­stellt wur­den. Es sind ehe­ma­li­ge Gebäu­de­tei­le, die durch Runen­ma­gie in Trans­por­t­er­stei­ne umge­wan­delt wur­den. Ich habe die Runen stu­diert und es traf mich wie ein Schlag.

Dies ist cibola­ni­sche Trans­por­ter­ma­gie!!!

Wie ist die­ser Staub­flü­gel bloß an die­ses Wis­sen gelangt. Es gibt in Cata­ra wohl einen akti­ven Trans­por­t­er­stein. Aber über den ist außer­halb des Kul­tes kaum etwas bekannt. Ich hat­te ja gedacht, dass der Stein, den wir vor ein paar Tagen in den Hän­den der Unto­ten sahen, ein Relikt sei, aber hier auf die­sem Platz wer­den sie erst her­ge­stellt.

Wie konn­te das Wis­sen der Cibola­ner nur in die Hän­de die­ses Hex­ers fal­len, wenn nicht ein­mal der Kult sol­che Stei­ne her­stel­len kann. So lang­sam kom­men mir Zwei­fel am Erfolg unse­res Vor­ha­bens.

Comments

  1. Calar on 09.27.2010

    Gib einem Mann ein Feu­er und er hat es für einen Tag warm -
    Zün­de einen Mann an, und er hat es für den Rest sei­nes Lebens warm!
    …anony­mer Inqui­si­tor.

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