5

Okt

by Carsten

Nachts, wenn ich nicht schla­fen kann, schaue ich aus dem Fens­ter und fan­ta­sie­re über das alte Klos­ter. Die Spie­ge­lun­gen auf dem Meer, das zwi­schen uns liegt, las­sen das reflek­tier­te Ster­nen­licht in mein Zim­mer schei­nen. Wenn es ruhig genug ist, kann ich die Mön­che sin­gen hören. Ihre Gesän­ge wal­len über das Was­ser und lul­len mich, Schlaf­lie­dern gleich, in tie­fe Ruhe. Sel­ten bin ich so von Frie­den erfüllt.

Und den­noch fra­ge ich mich wie etwas, das so fried­fer­tig ist, mich gleich­zei­tig so heim­su­chen kann. Um Mit­ter­nacht stop­pen die Gesän­ge. Die Lam­pen und Lich­ter des Klos­ters ver­lö­schen, bis auf ein ein­sa­mes Leuch­ten am Ein­gang der Kata­kom­ben. Und wäh­rend ich das ein­sa­me Licht beob­ach­te, kann ich die Schat­ten der Mön­che sehen, wie sie in die Tie­fe drän­gen. Und dann steigt ganz lang­sam Unheil in mir auf, als ob die Insel mich rufen wür­de.

Ich habe hier und da Gesprächs­fet­zen gehört, über die Mön­che, die vor lan­ger Zeit einen Schreck­li­chen Tod gestor­ben sein sol­len. Es heißt, ihre gequäl­ten See­len wur­den in den Kata­kom­ben zur Ruhe gebet­tet, und ihre stand­haf­ten Brü­der ste­hen seit­dem Wache am Ein­gang, jede Nacht. Ich fra­ge mich war­um? Auf was war­ten sie, oder ver­su­chen sie etwas abzu­weh­ren? Sind sie an die Insel gebun­den, so wie ich?

Bei Ele­gil, ob die Mön­che des Kul­tes nicht den Schutz der Göt­ter genos­sen?

Viel­leicht hat ein zor­ni­ger Gott auf das Klos­ter her­ab­ge­schaut, und der Kult ist gar nicht so mäch­tig, wie behaup­tet wird? Viel­leicht ist es die­se dunk­le Macht, die des Näch­tens an mir nagt und mich nicht schla­fen lässt? Ist das Meer zwi­schen uns genug um mich zu schüt­zen? Ich wün­sche mir manch­mal, ich könn­te ein­fach eine Nacht lang im Gras vor den Kata­kom­ben schla­fen – viel­leicht wür­de das die Visio­nen been­den. Ich muss die Wahr­heit her­aus­fin­den

Eli­sa­beth

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