Szene III: … es lebe der König

Von Müdigkeit übermannt senkten sich die Lider des alten Mannes, und seine Gedanken begannen abzuschweifen.

In letzter Zeit viel es ihm häufig schwer, konzentriert zu bleiben. viel zuhäufig. Aber seine Berater hatten ihm eine weitere Erhöhung der Dosis verboten. Er befürchtete, dass Drekon sich auch nicht ewig hintergehen lassen würde. Aber noch hatte er Kraft. Ein Weilchen würde er es noch schaffen.

Mit jedem Monat hatte er das Gefühl, sein Balanceakt wurde schwerer.

Als Junge, vor unendlich vielen Jahren, hatte er einmal einen Artisten gesehen, der mit 6 Keulen jonglierte. Damals hatte es ihn sehr beeindruckt. Heute schlich sich ein schwaches Lächeln auf seine vom Alter gezeichneten Züge. Er war jetzt schon so lange am jonglieren. Ein Sammelsurium von Keulen, Kugeln, brennenden Fackeln und scharfkantigen Dingen, bei denen ein Fehlgriff katastrophale Folgen haben würde. Mitten in einer drängenden Menge, die ihn anrempelte, ohne zu ahnen, dass ein Fehlgriff seinerseits ihr Ende bedeuten konnte. Er hatte sich schon seit Dekaden keine Pause gegönnt, aber noch mochte er den Kelch nicht weiterreichen. er hatte einfach zu lange und zu hart gearbeitet, es stand zu viel auf dem Spiel, mehr als alle ahnten. …

Er hörte wie seine fleißigen Helferlein ihn umschwirrten. Nach Jahren der Selektion war er nur von den besten Dienern umgeben, die fast lautlos für ihn sorgten. Er bemerkte sie kaum noch, was in seinen Augen ihre Perfektion nur unterstrich. Genau wie er fast unbemerkt im Großen lenkte, so lenkten sie im Kleinen seine Belange. Es irritierte ihn ein wenig, er wusste nicht einmal mehr die Namen seiner täglichen Versorger, aber wer konnte so was schon von ihm verlangen? Vielleicht ahnten sie nicht einmal, welchen Dienst er für sie versah, so wie die Biene auch keinen Einblick in die Pläne ihrer Königin hatte…

Träge versuchte er, sich wieder auf seine Umgebung zu konzentrieren, es war längst Zeit für seine Mittel und ungewöhnlich ruhig. Sein Körper konnte auf Tag oder Nacht keine Rücksicht mehr nehmen, und so musste auch das Personal zu jeder Zeit im Palast bereit sein. Suchend blickte er auf.

In all seinen Jahren hatte er mehr als jeder andere Mensch gesehen – seinenVater vielleicht ausgenommen – und doch brauchte er eine Weile um zu verstehen,was er sah. Die Männer gehörten nicht zum Personal, und auch sonst konnte er sie nicht zuordnen. Priester hatte er doch gar nicht vorgesehen? Oder war schon morgendliche Gebetszeit?

Während der alte Mann noch versuchte die Roben zuzuordnen und den Nebel um seine Sinne zu lichten merkte er, wie er aus seinem Bett gehoben wurde. Es war in seinem Zustand völlig vergebens sich gegen die starken Arme zu wehren, aber irgendein Instinkt, der noch nicht völlig vergessen war, ließ ihn erzittern, während die unnachgiebigen Hände ihn zwischen den schwarzen Kerzen auf den Boden pressten…

Der König ist tot! Es lebe König Darin I.