Szene VI – Der Hammer des Hasses

Hurogs Reisetagebuch

Also brachen wir auf.

Die Reise verging recht ereignislos. Von Zeit zu Zeit waren jedoch Orte zu erblicken, die sich in der Zeit seit unserer Reise nach Myrandia verändert hatten. Das schwächer werden der Barriere zwischen den Dimensionen war nicht weniger geworden seit der Zeit da die Cibolaner zurückgeschlagen wurden. Doch sieht es nicht so aus als würde unsere Welt zu einer oder der anderen Seite driften. Auch der Kapitän unseres Schiffes hat es so bestätigt. Sicherlich passieren schon schlimme Dinge, wenn sich in einem Bereich ein Tor öffnet, in eine böse oder chaotische Region, aber ebenso ist es auch ein Segen,wenn sich ein Tor zu einer Engelssphäre oder einer Dimension der Natur öffnet.

Angekommen in Radesholm stellten wir fest, dass der Bereich des Hafens der früher für die Flösse aus Bronzetor benutzt wurde, heute von Militär kontrolliert wird. Unauffälliges Nachfragen in der Stadt lieferte uns die Informationen, dass sich eine Hundertschaft catarischer Soldaten zwischen uns und Bronzetor befindet. Selbst wenn wir die Stadt einfach verlassen und uns selbst in die Berge schlagen werden, werden wir womöglich irgendwo in einePatrouille hinein laufen.

Ich war etwas skeptisch als Wigand uns Thassilo sich auf denWeg machten, um eine Führer zu den Zwergen anzuheuern und machte mich schon bereit für eine überstürzten Aufbruch, weil plötzlich die Wachen der Stadt uns suchen. Doch tatsächlich gelang es Ihnen einen Ortskundigen zu finden.

Wir hatten uns darauf geeinigt einander nur mit Decknamen anzusprechen.Meiner ist der meines Vaters Gork, die anderen habe ich leider alle wieder vergessen. Ich halte mich deshalb lieber im Hintergrund und rede nicht mit offen den anderen.

Als wir uns am nächsten Tag mit Wigands und Thassilos Kontakt trafen, stellten wir fest, dass es sich wohl um einen Schmuggler handeln musste. Wir sollten zu Fuß gehen und auch noch für ihn und seinen Begleiter irgendwelche ominösen Kisten schleppen. Ich hätte gedacht, dassirgendjemand sich über das zusätzliche Gepäck oder die Führer beschwert, doch es blieb erstaunlich ruhig und selbst Dhrakhar nahm die Situation kommentarlos hin.

Es erwies sich als gute Wahl. Die Route war uns zwar bekannt. Die zwei Menschen führten uns in eine Tal, dass wir bereits bei derVerfolgung eines Zwergen vor einigen Jahren durchwandert hatten, aber unsere Führer schafften es uns ungesehen von einer Patrouille bis ans Tor des Greifenturms zu führen.

Die Patrouille sorgte jedoch auf den letzten Kilometern biszu den Zwergen noch für einiges an Gesprächsstoff. Bei einer Rast setzten wir uns etwas abseits von unsere Führern und achteten darauf, dass sie uns nicht zuhören konnten.

Thassilo und ich konnten uns aus unseren Verstecken diePatrouille genau ansehen. Mir erschienen sie als ganz normal. Wie Menschen eben. Thassilo jedoch war sich sicher, dass sie alle bis auf den Sergeanten bleich waren wie Tote. Nein, so habe ich sie nicht gesehen. Aber heißt esnicht, dass die Halblinge die Hauptstadt verlassen haben und womöglich Dingesehen, die sonst niemand sieht?

Hm… und wenn ich so darüber nachdenke …

Die Rüstungen der Soldaten waren sehr ungepflegt. Selbst füreinen Ork. Und der Eine, links hinten: Hatte sein Kettenhemd nicht ein großes Loch in der Brust genau über den Herzen. So als sei ein schwerer Armbrustbolzen dort eingeschlagen. Das hätte niemand überleben können. Und wer würde eine Rüstung tragen, die einen anderen nicht hat retten können, ohne sie nicht wenigstens zu reparieren? Sollte der Halbling vielleicht doch recht haben? Sollte die Patrouille zum großen Teil aus Untoten bestehen und niemand erkennt sie als solche, außer den Halblingen? Ist das ein Teil der neuen Macht, die auch alle in den Bann des Königs zwingt? Stehe ich bereits unter seinem Einfluss? Ist es mir nicht gelungen sich seiner Macht zu entziehen? Aber ichverfolge immer noch das Ziel Ihn zu töten! Womöglich hat Thuran recht wenn er sagt, dass ich nicht mit den anderen zusammen auf den König treffen darf…

Ihr Götter. Ich muss dringend in einen Tempel des Magmos.Ich muss Euch berichten, was in Catara alles geschehen ist, seit wir das Pentagramm betreten haben und ich muss Euch, ehrenwerter Magmos bitten wohlwollend auf unsere zweite Reise in die alte Zwergenhauptstadt zu blicken.

Plötzlich stehen wir vor einer Gruppe Zwerge. Wie werden wirnun empfangen? Werden sie uns in Ihre Mine lassen? Wer wird für uns sprechen? Sollte es mir zu lange dauern, werde ich einfach vortreten und meinen Ring präsentieren, der mich als Mitglied der Klans der Terun ausweist. Sie werden mir vielleicht nicht sofort glauben. Vielleicht werden sie uns erst einmal gefangen nehmen, doch glaube ich nicht, dass sie unsere Namen sagen werden, wenn wir es nicht selber tun.

Auszug aus Drakkhars Reisetagebuch – Unter dem Berg

Was auch immer Thuran seinem Volk erzählt hat. Es hat funktioniert. Die Zwerge haben ihre Tore geschlossen. Sie haben alle Fremden ihres Reiches verwiesen. Sie verbannen alles drachische…

Dennoch ließen sie uns ein.

Nun.. Erfolge sollten nicht hinterfragt werden, und da sie es selbst nach der Kontrolle unseres Gepäcks für eine gute Idee hielten uns in ihr Reich zu lassen, gebe ich mich damit zufrieden.

Die Zwerge erzählten uns beiläufig von den neuen Problemen,die in der Welt vorliegen: Darins Armee der Untoten wird von einem schwarzen Drachen begleitet. Die Anzahl der Untoten aus Richtung der alten Zwergenhauptstad nimmt zu.

Was für Zeiten in denen wir leben. Und wir dachten tatsächlich, dass der Sieg über die Cibolaner etwas Gutes war.

Tief in meinem Inneren gebe ich den Cibolanern so langsam recht. Was ist, wenn sie die Guten sind? Was ist, wenn sie ausgezogen sind, um zu verhindern, dass sich hier das Böse ausbreitet.

Sind wir Werkzeuge der Hexer, die im naiven Glauben an das Richtige ihres Handelns die einzige Kraft gegen das Böse vertrieben haben?

Sind wir in Wirklichkeit die Bösen? Selbst die Elben habensich von Catara abgewendet. Als Wigand und ich damals in cibolanischerGefangenschaft waren, waren sie nicht alle Ehrenmänner? Sie haben uns gut undehrenvoll behandelt. Das ist etwas, was man den Völkern in Catara nichtunbedingt nachsagen kann.

Meine Drachenbrüder haben das falsche Spiel Cataras nun jadurchschaut. Wir hätten die Cibolaner niemals vertreiben und so den Hexern denWeg ebnen dürfen. Wir haben für die falsche Seite gekämpft. Wahrscheinlich haben die Zwerge gespürt, dass wir unsere Schuld am Schicksal der Welt abzutragen haben und uns deshalb eingelassen.

Wir sind also in die Zwergenmine gekommen, um den Hammer des Hasses zu bergen.

Sie rieten uns jedenfalls, dass wir einen großen Bogen umjeden Zwergen und somit auch um Bronzetor machen sollten. Zwei Wege sollten uns zur Verfügung stehen. Der lange Weg durch die verlorenen Stollen und der kurze Weg durch die Drachenhalle.

Auch wenn es Wahnsinn ist, wir wählten den Weg durch die Drachenhalle.

Einzig gerüstet mit den Gerüchten um diesen Ort zogen wir los.

Was hatte ich von der Drachenhalle gehört? Es war der Ort,an dem die letzte Schlacht der Zwerge gegen Ankalan stattgefunden hat. Während überall in der Hauptstadt die Anhänger des Drachen gegen die freien Zwerge kämpften, fand dort der tatsächliche Angriff auf Ankalan statt.

Ich kann nur vermuten, wie viele Zwerge er mit in den Todgerissen hat, aber ausgehend von der Macht Eregors, welches ja ein jungerDrache ist, muss Ankalan unglaublich mächtig gewesen sein.

Dieser Kampf muss tausenden von Zwergen das Leben gekostet haben und ebenso vielen muss der Weg in die Nachwelt verwehrt worden sein.

Als wir tatsächlich ohne größere Zwischenfälle bei der Halle ankamen, war ich überwältigt.

Dort lagen sie also. Die Überreste eines Drachen. Um ihn herum türmte sich sein Hort auf. Wäre ich auch nur ein kleines Stück näher am Wahnsinn, ich würde mich mit Freuden Ankalans Skelett entgegenstürzen und imGold seines Hortes baden.

Welch Reichtum, welch Artefakte, welch Wissen und Machtwürde einen dort erwarten? Alles nur einen Steinwurf weit entfernt.

Einzig meine dragische Überlegenheit und Weisheit halten mich davon ab, kopflos in mein Verderben zu rennen.

Anders ist es mit Thuran und Hurog: Kaum betraten wir die Halle, sind sie von einer Angst erfasst, die ich mir nur dadurch erklären kann,dass sie nicht bei mir um den Beistand Eregors gebeten haben. Ein paar beruhigende Worte und ein einfaches Gebet an Eregor, bringt ihnen die Sinnezurück. Ich hoffe, sie zeigen sich erkenntlich.

Offensichtlich steht Eregor denen bei, die sich seiner bekennen. Ich verliere langsam meine Geduld mit Hurog und Thuran. Sie sollen endlich ihren Hexer-Göttern abschwören und sich dem Guten zuwenden.

Ich sehe sonst keine Alternative…

Wenn sie dem Anblick eines Skelettes nicht gewachsen sind,dann werden sie dem Blick Darins erst recht nicht standhalten. Wir müssen dafürsorgen, dass es niemals dazu kommt, dass sie ihm unter die Augen treten… und sei es, dass sie es nicht zurück schaffen. Zu groß ist die Gefahr, dass sie dem Feind in die Hände fallen und unseren Plan ausplaudern.

DIESE TÖRICHTE!

Unsere Präsenz hier scheint die Seelen der Gefallen zu stören. Kaum habe ich Thuran und Hurog dank Eregors Hilfe der Furcht entrissen, bemerken wir Geister die sich auf uns stürzen wollen.

Wigand hat endlich etwas gelernt. Er und ich können mitFeuerbällen die Geister vernichten nur um festzustellen, dass es hier viel größere Gefahren zu geben scheint, als ein paar Geister.

Ich habe kaum Zeit verwundert zu sein, warum die Zwerge diesen Ort nicht schon längst gereinigt haben, da scheint die ganze Halle anzufangen zu leben.

Wie in einem Albtraum, greifen Hände aus dem Boden nach unseren Füßen. Stimmen aus der Vergangenheit reden auf uns ein… Was auch immer für ein Schicksal einen in dieser Halle erwartet… ich will es nicht wissen, ich muss hier raus.

So vollbrachten wir also eine Tat, die kleine Zwergenkinder ihren Großvätern nicht glauben würden: Wir durchquerten die verfluchte Drachenhalle und dank der Gebete die ich heimlich für sie an Eregor herangetragen habe, schafften es sogar Thuran und Hurog.

Etwas erstaunt bin ich über das, was wir hinter der Halle entdeckten. Nun, ich hätte es wissen müssen. Dennoch war ich erstaunt, dass es hier Ställe, Werkstätten, Schlafräume und ähnliches gab.

Drakkhar!!! Was hätte es sonst hier geben sollen?

Die Reisen in fremde Dimensionen, durch Reisephänomene,durch Portale und ähnliches lassen mich die schaurigsten Dinge erwarten, und dann dies.

Wir durchsuchten diese Räume genau und fanden letzendlich ein Buch, einen Hammer und einen Schlüssel.

Wir können jetzt also weiter in die alte Hauptstadt vordringen.

Wigand: Wieder unter Tage

Gänge, Gänge… nichts als Gänge.

Und im Hintergrund höre ich noch immer meine Geschwisterrufen, spüre förmlich die Präsenz des toten Drachens in der großen Halle. Und irgendwas hat sich bei mir verändert. Als ob meine Haut ahnt, dass etwas Schlimmes passieren wird, spüre ich die Schuppen auf ihr immer deutlicher.

Wir hätten nicht wieder hier herunter gehen sollen. Überall gibt es Untote, und es ist ungewiss, ob wir überhaupt eine Chance habenYurgrimms Hammer zu finden.

Ich habe den anderen die Führung überlassen, laufe wie unter einem Bann nur hinter ihnen her. Hier eine Tür, dort ein leerer Gang, hin und wieder weichen wir den Geisterwachen aus. Der Teil von Kiraz den wir erkunden scheint allerdings in sich abgeschlossen zu sein, entweder bekommen wir die magisch verschlossenen Türen nicht auf, oder wir stehen vor eingestürzten Gängen.

Irgendwann erinnert Hurog uns an den Raum mit den Donnerbalken. Darunter gibt es doch fliessendes Wasser, es muss ja von irgendwo herkommen, und auch wieder irgendwo anders abfliessen. Ungeachtet des früherenGebrauchs dieser Öffnungen lässt er sich dort hinunter.

Es dauert etwas, aber endlich kommt er wieder zurück. Da unten gehe es schon weiter, allerdings bräuchte er Verstärkung. Erst folgt Drakkhar, danach kommt der Rest von uns mit.

Tatsächlich ist es hier unten überraschend sauber. Naja, zumindest ist alles stinkende seit hundert Jahren oder mehr schon weggespültworden. Irgendwann finden wir einen echten Abluss, der in eine große Kavernemündet. Dort gibt es anscheinend noch irgendwelche Zwergentechnik, also gehen wir auch dort hinunter. Und noch irgend etwas ist da..

Drakkhar löst einen Mechanismus aus, der das Wasser aus derKaverne abfliessen lässt, und jetzt sehen wir auch was sich dort noch bewegte:Zwergenzombies, aufgequollen vom Aufenthalt unter Wasser. Da ich keinerlei Bedürfnis verspüre mich mit denen anzulegen, bespritze ich sie kurzerhand ausgiebig mit Lampenöl. Nur einen kleinen Zauberspruch später, und sie brennen lichterloh.

Und erzeugen dabei einen beißenden Rauch der blitzschnelldie ganze Kaverne füllt! Verdammte Unterwelt!

Es braucht eine ganze Weile bis der Rauch endlich abgezogen ist, und in der Zwischenzeit bringt er meine eh schon angeschlagene Konstitution völlig ins wanken.

Dennoch, im Endeffekt sind die Zombies endgültig tot, undwir können uns weiter umsehen. Die Gänge sind auch hier vielfältig. Es finden sich gemauerte Teile, wie auch Minenstollen. An einer Stelle treffen wir sogarauf einen noch intakten Golem.

Hurog versucht noch sich gegenüber dem Konstrukt als Befehlshaber zu legitimieren. Ich bin völlig sprachlos über diese Dreistigkeit- und neidisch dass mir diese Idee nicht eingefallen ist.

Leider funktioniert Dreistigkeit nur bei lebenden höpfen, und nicht bei diesem Haufen Zwergenstahl und Zahnräder. Der Golem greift uns also an. Eine Ecke meines Hirns erinnert sich daran, wie wir vor Jahren vor so einer Maschine panisch geflüchtet sind. Während ich mich auf meine Magie konzentriere, setzen Hurog und Thuran dem Ding schon mit kräftigen Hieben zu.

Wieder einmal: Noch bevor ich richtig an dem Vieh dran bin, haben die beiden es in Stücke gehauen.

Die Hallen von Kiraz werden weiter erkundet. Zwischendurch stoßen wir ein paar Mal wieder auf die große Halle, anscheinend ist hier alles verbunden.

An einem Punkt finden wir eine große Gruftanlage. Alle Sarkophage sind geöffnet, nirgends finden wir Leichen oder Skelette, nur eine kleine Gruppe marodierender Untoter, die wir aber erst einmal umgehen.

Und dann endlich, als wir dachten endlich den Weg zu dem uns bekannten Teil der Stadt gefunden zu haben, entdeckten wir all die toten Zwerge die wir vorher vermissten:

Vor uns liegt eine Kaverne, vielleicht einige Dutzend Meter breit und lang. Sie ist komplett mit wankenden Zwergen gefüllt. Einige sind komplett skelettiert, einigen haften noch verweste Fleischreste an. Es sind mehrere hundert Untote zwischen uns und unserem Ziel….

Der Hammer des Hasses

„Vom Feuer geküsste Haare bedeuten Glück Wigand!“ Unwillkürlich muss ich wieder an Tanja denken, und an diesen Aberglauben über unsere Haarfarbe. Vielleicht ist ja doch etwas dran. Zumindest habe ich heute länger überlebt, als ich es gedacht habe.

Als uns klar wurde, dass wohl kaum ein Weg an der Kaverne voller Untoter vorbei führte, fasste Thassilo den Entschluss diese genauer zuerkunden. Welcher Gott auch immer über die Halblinge wacht, er hat meinem großen Bruder über die letzten Jahre ganz schön Mut eingetrichtert. Ohne lange zu überlegen krabbelte der Kleine über ein großes Rohr an der Decke. Dieses führte ihn quer durch die ganze Kaverne, hoch über den Köpfen der Zombies.

Am anderen Ende angekommen stellte er fest, dass der Gang mindestens einen halben Kilometer weiter geradeaus ins Dunkel führte. Dies waralso tatsächlich unser Weg. Drakkhar machte es sich natürlich einfach: In Rabenform flog er quer durch die Halle, unbehelligt von dem Unleben am Boden. Als nächstes machte ich mich auf.

Leider musste ich wieder einmal feststellen, dass ich nicht nur größer als Thassilo war, sondern auch bei weitem nicht so geschickt. An einer engen Stelle, wo das Rohr an der Decke befestigt war, verlor ich den Halt. Hätte ich mich nicht vorsorglich mit einem Seil gesichert, wäre ich wahrscheinlich sehr unsanft zehn Meter weiter unten in der Masse der Untoten gelandet. Und jetzt endlich bemerkte uns einer der geistlosen Zombies, und langsam aber unaufhaltsam schob sich die Masse in Richtung Rampe.

Jetzt blieb auch Thuran und Hurog nichts anderes übrig als ihr Glück mit dem Rohr zu versuchen, wollten sie nicht einen ausweglosen Kampf gegen diese Horde führen.

Es dauerte eine Zeit, aber schlußendlich kamen wir alle wohlbehalten auf der anderen Seite an. Zum Glück gab es hier keine Möglichkeit für die Zombies die Kaverne zu verlassenn – allerdings konnten wir beobachtenwie einige tatsächlich versuchten auf das Rohr zu gelangen! (Ein Versuch denwir mangels vorhandener Geschicklichkeit als zum Scheitern verurteilt ansahen)

Vorsichtig tasteten wir uns wieder durch das Zwielicht, bis mir irgendwann ein Stollenabschnitt sehr bekannt vorkam. Und tatsächlich: Wir waren an der untersten Ebene des uns schon bekannten Bereichs von Kiraz angekommen. Im Halbdunkel erkannten wir, dass sich ein knappes Dutzen Untote hier aufhielten, und dass sie auch hier alte Gräber aufgestemmt hatten.

Als wir dann noch näher krochen, um mehr sehen zu könnenwurden wir entdeckt: Die wandelnde Mumie Yurgrimm Drachentöters zeigte mitverdorrtem Finger auf uns und sprach mit Grabesstimme: „Tötet sie…“

Hurog tat das, was er immer tat: Ungeachtet seiner eigenenSicherheit, dafür aber mit Kriegsgebrüll rannte er auf das Scheusal zu. Das einzig passende was mir in dieser Sekunde einfiel war ein gezielter Feuerpfeil auf die Mumie, der aber wenig Wirkung zeigte. Auch Drakkhar beteiligte sich mit Feuerbällen, wenig später stand auch Thuran neben Hurog bei dem untoten Held aus den Zwergenlegenden.

Natürlich war Yurgrimms Mumie unser eigentliches Ziel, trug er doch den Hammer des Hasses in seiner Hand. Aber leider sorgten Hurog und Thuran mit ihrem beherzten Vorstürmen dafür, dass mir die zweifelhafte Ehre zuteilkam, Drakkhar und Thassilo vor einer ganzen Horde untoter Kreaturen zu beschützen. Und gleichzeitig mit Hurogs ruf „Der Fallenlassen Zauber, Wigand… Schnell“ fiel mir auch wieder der alte Plan ein: Mit Glück konnte ich Yurgrimm entwaffnen, und so den Kampf schnell entscheiden!

Ich stand vor einem Gewissenskonflikt: Mich selbst, und damit Drakkhar und Thassilo schützen, oder Hurog magisch beistehen. Schweren Herzens entschied ich mich für die Mission und wirkte den simplen Zauber des Entgleitens auf die Mumie – vergebens! Ich hätte es besser wissen sollen, zumal ich nun fast schutzlos je zwei Unholden, zwei Zombies und einem namenlosenSchrecken mit einer beängstigend großen Sense gegenüber stand!

Doch mein Glück, mein vermaledeites vom Feuer geküsstes Haar, es bewahrte mich vor dem Schlimmsten. Ich steckte zwar ein paar schwereTreffer ein, wankte kurz, blieb aber tatsächlich stehen. Im Folgenden zeichneten sich die Untoten vor mir durch Schwerfälligkeit aus, und wie durch ein Wunder entging ich den meisten Hieben.

So konnte ich schliesslich mit der Feuerklinge und Drakkhars Hilfe die Untoten vor mir besiegen (Zwei der Zombies wurden zu meinerVerblüffung von Thassilo in einer Minenlore schlicht überfahren!).

Als sich der Kampflärm legte, konnte ich sehen, dass Hurog und Thassilo dem nun endgültig toten Yurgrimm den Hammer des Hasses entrissen hatten. Um auf Nummer sicher zu gehen, verbrannte ich (nachdem Drakkhar sich noch einige „Andenken“ eingesteckt hat) die Überreste der Mumie -schon eine Ironie des Schicksals, dass der Leichnam des berühmten Drachentöters am Ende von einem Drachensohn verbrannt wird.

Nun bleibt uns nur noch einen weiteren Ausgang zu finden,oder zumindest etwas, was uns hilft noch einmal an der Untotenarmee vorbeizukommen. Vielleicht finden wir etwas in diesen beiden ungeöffneten Grabkammern, in denen der Druide Bashkal und der einstige Hofmagier desZwergenkönigs liegen…

Auszug aus Drakkhars Reisetagebuch – Wieder in Kiraz

Wir sind immer noch in den Hallen von Kiraz. YurgrimDrachentöter ist tot. Ein weiteres Mal.

Was hat diesen einstigen Helden und Befreier der Zwerge so korumpieren lassen, dass seine Überreste hier Böses aushecken. Die Anzahl der Zombies hier unten lässt bloß den Schluss zu, dass er mit dieser Armee die Zwerge überrennen wollte. Jeder gefallene Zwerg wäre ein neuer Kämpfer in der Untotenarmee. Ob es das ist, was auch Darin vor hat? Nun, eines ist gewiss. In einer Schlacht haben wir keine Chance gegen ihn.

Während wir die verbleibenden Gräber untersuchen, um eine Hilfe oder ein Werkzeug gegen die Untotenarmee zu finden, hält Hurog Ausschau nach eben diesen. Ich nutze die Chance, um Wigand eine Lektion im Entknoten der magischen Fäden zu erteilen. Nun… zumindest versucht er sein bestes, aber es bedarf schon eines Dragos um diese alten Schutzzauber zu entschlüsseln.

Da ist die magische Versiegelung des Grabes von Bashkal demDruiden also gebrochen und unser Muskelpaket geht in der Miene spazieren umsonst irgendetwas zu erledigen. Es ist zwar eine Ungeheuerlichkeit, wie er sichmanchmal aufspielt, aber in diesem Fall bin ich ausnahmsweise mal dankbar. Dennda kam er nun angerannt, der einfälltige Tor und erzählt uns, dass die Zombieseinen Weg gefunden haben aus der Halle in den Gang zu gelagne, der genau zu unsführt.

Gut… des Entschlüsseln der Schutzzauber des zweiten Grabes soll dann eben ein Held in ferner Zukunft übernehmen. Soll er sich an den Reichtümern laben. Sollten wir kein vernünftiges Werkzeug in Bashkals Grab finden, würden wir das Grab ja eh öffnen müssen. Was wir allerdings in dem Grab fanden, übertraf all unsere Erwartungen.

Was wir vorfanden war ein Gang und am Ende dieses Ganges schien Tageslicht zu sein.

Den Druiden sei Dank! Wir hatten einen Ausgang gefunden! Zumindest glaubten wir das. Wir stiegen also in den Sarg und ließen den Deckel zuknallen. Ein weiteres Mal wurde mir bewusst, dass ich in meiner Zeit als Schüler an der Akademie die falschen Zauber gelernt habe.

Dieser einfache Zauber, den ich mit mit verbunden Augen,gefesselten Händen und einem Mühlstein um den Hals gebunden auf dem Grunde desMeeres noch sprechen könnte, wenn ich doch nur die Formel wüsste.

„Magisches Schloss“! So ein Wahnsinn….“Magisches Schloss“!

Es zeichnet sich so langsam ab. Die wirkungsvollsten Zauber habe ich nicht von der Akademie gelernt. Die Wege der Tiere habe ich durch denDruiden gelernt und die Wege des Feuers habe ich durch die Macht Eregors erlangt.

Es war nun also ausschließlich die Steinplatte die dafür sorgen muss, dass die Zombies uns nicht hierher folgen. Jedenfalls fanden wirhier einen Ort des Friedens. Ein weiteres Mal war ich überwältigt von den Wegen der Druiden. Hier wuchs ein Baum mitten in den Hallen von Kiraz. Meinen Gefährten war die Tragweite dieser Entdeckung wahrscheinlich gar nicht bewusst, aber was soll ich sie damit auch belasten.

Sie stellten lediglich fest, dass hier das Leben und die Natur herrschte. Die eigentliche Aussage dieses Ortes war aber, dass die unheilige Macht Ankalans keinerlei Einfluss auf diesen Ort hatte. Tausendegefallener Zwerge und selbst Yurgrim Drachentöter, wurden durch das Böse diesesOrtes korumpiert. Unruhige Seelen einstiger Helden durchwandern die Hallen. Die Zwerge mussten Kiraz verlassen und versiegeln.

Selbst die Götter mieden diesen Ort weitestgehend und von unserem ersten Besuch in Kiraz weiß ich noch, dass Magmos selbst zu sehr weiten Kompromissen bereit war, als wir das Grab des alten Zwergenkönigs fanden und seinen Schlüssel brauchten.

Und hier mitten im Zentrum des Bösen liegen die Überreste Bashkals verwachsen mit einem Baum und verbreiten positive Energie.

So langsam frage ich mich, was vor Urzeiten Teile der Druiden damals dazu bewogen hat, sich mit Dämonen zu verbünden, wenn sie schon die mächtigste Kraft in unserem Gefüge auf ihrer Seite hatten. Als einer der letzten Gelehrten der druidischen Magie, blieb mir nichts anderes übrig. Ich musste einfach meine Lebensenergie mit dem Baum verschmelzen. Gerade da über kurz oder lang diese Zombies hier eindringen würden, woran wir nicht ganz unschuldig sind.

Wieviel Zeit auch immer mir nun genommen wurde. Ein Teil von mir wird immer in diesem Baum existieren. Zum Dank lehre mich die Natur einen Zauber. Und wieder etwas was wesentlich nützlicher ist, als all das was ichnoch aus meinen Tagen an der Akademie weiß.

Die positive Energie dieses Ortes ließ die Wunden meiner Gefährten heilen und zum ersten mal seit langem spürten wir so etwas wie Frieden. Die beste Eigenschaft dieses Ortes war allerdings, dass in weiter Höhe eine Öffnung ans Tageslicht führte.

Wir waren frei!!! Nunja, wenn meine Gefährten es jemals schaffen würden am Baum in die Freiheit zu klettern. Es grenzt an ein Wunder,aber nach einigen schweren Verletzungen waren alle in der Freiheit.

Tja. Wenn man sich nicht zum Guten bekennt, fällt man ebentief mein lieber Hurog.

Wir hatten es geschafft. Ein weiteres Mal zeigt sich, dass das Schicksal den richtigen Drago dazu auserwählt hat, die Welt zu retten. Unsere zweite Reise nach Kiraz ist allein für sich schon eine Legende. Wir haben nicht nur das Unmögliche möglich gemacht. Nein! Wir haben dem Unvermeidlichen eine Absage erteilt:

Wir sind in das für alle freien Völker gesperrte Zwergenreich eingedrungen.

Wir sind durch die Drachenhalle und Ankalans Grab marschiert.

Wir haben uralte zwergische Golems besiegt.

Wir haben eine Halle mit tausend Untoten unversehrt durchquert.

Wir haben die untote Mumie Jurgrim Drachentöters besiegt und damit die Flut der Untoten gebremst.

Wir haben den Hammer des Hasses geborgen.

Wir sind erneut den Hallen Kiraz entkommen.

Und das alles haben wir unbeschadet überstanden!

Von unserer ersten Reise nach Kiraz kannten wir die Gegend hier noch recht gut. Und dank der druidischen Magie, mich in einen Vogel verwandelt zu können, fanden wir uns sehr schnell zurecht. Es ist schonerstaunlich, wie schnell das Böse manchmal ist. Am ehemaligen Eingang zu denHallen, sah ich aus der Luft einen kompletten Hob-Goblinstamm und Trolle, die sich Zugang zu den Hallen verschaffen wollten.

Nun, sollen die Zwerge sich darum kümmern. Wir können ihnen auf dem Weg zurück nach Catara ja Bescheid geben. Eigentlich hielt ich es füreine gute Idee durch das Zwergenreich nach Bronzetor zu reisen, aber stattdessen entschieden wir uns für den Weg durch die Barbarenlande.

Nun… nur weil man ein Held und der designierte Retter der bestehenden Welt ist, erkennt das noch lange nicht jeder. So machte uns Thuran darauf aufmerksam, dass sein einfältiges Volk und gar nicht erst ins Reich einlassen würde. Im Zweifel würden sie uns sogar den Hammer des Hasses entreißen und in irgendeinen Schaukasten stellen wollen.

So gingen wir also durch die Wildnis Richtung Felland. Was hat das Schicksal an unserer Gruppe gefunden? Warum wir? Dass die Mächte des Kosmos mich auserwählt haben, erklärt sich von selbst. Und bei Wigand hatte zumindest noch ein Drache seine Klauen im Spiel.

Nichts desto weniger, scheinen die Götter unser Tun zuverfolgen. Kaum hatten wir die Grenze zu Catara überschritten, kamen wir wiederan dem alten Gasthof an, in dem wir vor Jahren unter kamen.

Als Mensch verwandelt ging ich vor, um nach dem Weg und der Situation zu fragen. Wir konnten schließlich nicht vorsichtig genug sein. Dort saß er also vor dem Haus auf einer Bank. Zuerst erkannte ich ihn gar nicht. Ich fragte ihn nach der Straße und er sagte mir, dass sie ruhig sei.Ich fragte ihn nach der Situation und dann geschah es:

„Du weißt doch, dass ein Schatten über dem Land liegt Drakkhar. Ja. Ein der Schatten breitet sich aus. Aber in Hellingen wartet ein alter Bekannter auf euch. Ihr müsst euch beeilen. Er soll euch nach Myrandia bringen.“

Er kannte meinen Namen!! Ich war doch verwandelt. Was für ein mächtiger Zauberer kann durch diese Verkleidung hindurchsehen? Kein Zauberer der Welt vermag das… man kann erkennen, das es sich um eine Illusion handelt, aber niemand kann durch sie hindurchsehen.

Noch während ich ihn nach seinem Namen fragte, wusste ichschon wer es war: Der alte gütige Mann mit dem Bogen. Janaton, der Gott des Waldes.

Mit einem Augenschlag ist er verschwunden. Ebenso der Gasthof. Was bleibt ist nur eine Ruine.

Es ist erstaunlich, wie sehr mich dieses Erlebnis berührt.

Ich weiß genau, dass Nomarkon keinen Wert auf Huldigung legt. Das Erlangen von Wissen ist bereits Gottesdienst an ihm. Dementsprechend ist meine Abkehr von der Akademie und meine Abkehr vom Priesteramt kein Sakrileg. Viel mehr erlangte ich dadurch noch mehr Wissen, so dass Nomarkon wahrscheinlich sogar gut heißt, dass ich der Gründer des Drachenkultes bin. Wiedem auch sei. Die Götter scheinen mir die Abkehr von ihnen nicht übel genommenzu haben. Vielmehr sind sie auf unserer Seite. Auf ihre plumpe Weise bitten Sie uns sogar um Hilfe.

Ich sagte es einst und ich sage es wieder. Der Drachenkult und die Kirche der Götter bilden gemeinsam eine Einheit gegen das Böse. Die Götter brauchen unsere Hilfe in Myrandia? Ich schwor es vor meinen Drachenbrüdern und ich schwöre es auch jetzt: Wir bekämpfen das Böse und helfen den Unterdrückten! Habt keine Angst ihr Götter, der Drachenkult kommt und wird Euch helfen!

Ich flog also vor um zu schauen, welcher alte Freund von unsdenn in Hellingen auf uns warten würde. Was für ein Glück. Da lag das Boot von Capt. Charrn! Wir hatten eine  Passage nach Myrandia. Nun sollte uns nichts mehr aufhalten!