Szene VII – Die letzte Tat

Drakkhars Reisetagebuch: Eregors Gefängnis

Wir ziehen in eine ausweglose Schlacht. Es ist etwas anderes gegen einhundert Hexer und einen untoten Drachen zu ziehen, als die Cibolaner zu stellen. Natürlich war unser Plan damals wagemutig und kaum einer meiner Gefährten hatte Hoffnung das Ganze zu überstehen.

Dennoch schritten wir fest entschlossen zur Tat, machten das Unmögliche möglich und besiegten Kelernved, den Heerführer der cibolanischen Invasionsarmee. Damals standen die Armee des Königs und des Gegenkönigs hinter uns. Dies waren Zeiten für Helden. Und unsere Rückkehr in die Hauptstadt zeugte davon: Eine Statue zu unseren Ehren steht auf dem Platz vor dem Palast.

Dieses Mal ist die Situation wahrlich anders. Wir sind auf eigene Faust hier. Mein alter Freund Charrn brachte uns zu dieser Insel, die Wigand in seinen Visionen sah. Ab hier sind wir auf uns allein gestellt. So richtig wissen wir nicht was uns erwartet, aber das Schicksal, die Drachen und die Götter haben uns hier her geführt.

Es ist Zeit, dass ich Wigand auf eine Bewährungsprobestelle. Die ganze Seereise über habe ich versucht ihm die Wege der Druiden zu lehren. Für den Anfang macht er es nicht schlecht: Die Form des Raben kann er annehmen. Es scheint also noch nicht Hopfen und Malz an ihm verloren zu sein.

Zusammen erkunden wir die Insel, die Wigand in seiner Vision sah. Und prompt sehen wir eine Fregatte der catarischen Marine vor Ankerliegen. Wir waren also richtig.

So recht weiß ich nicht, was uns erwartet, besonders als wirbemerken, dass die Fregatte verlassen zu sein scheint. Wollen die Hexer denn nicht zurückkehren, nachdem sie ihre Aufgabe in der Prophezeihung erfüllt haben? Würde die Crew nicht meutern, wenn es keine Aussicht auf einen Weg zurück gäbe?

Während diese Fragen in meinem Kopf herumspuken, entdeckenwir einen Weg, der von der Anlegestelle in Richtung Berg führt. Dies ist also das Gefängnis Eregors. Es ist meine feste Absicht Ammanas und Darin zur Strecke zu bringen und eregor zu befreien. Es wird sich zeigen, wie Eregor auf seine Freiheit reagieren wird. Er ist gerecht und weise, daher wird er nicht feuerspeiend den Betrug Cataras an ihm rächen, aber die königliche Linie wird in Erklärungsnöte geraten.

Erstaunlicherweise finden wir auf unserem Erkundungsflug viele Tiere wieder, von denen wir vermuten, dass sie die Tierkreiszeichen der Hexer darstellen. Raben und Spinnen sind uns bekannt. Wir stoßen auf Geier, Kröten, Ratten, Skorpione… Auch einen Imp können wir entdecken…

Der Weg führt zu einer Höhle… wir sind also richtig…

Auf dem Rückweg entdecken wir, dass alle Seeleute auf der catarischen Fregatte getötet wurden. Die Hexer sind wahrlich ein Fluch in der Welt. Sollten wir unsere Aufgabe erfüllen und nach Catara zurückkehren, dannwerde ich die Drachenbrüder schwören lassen, dass sie aktiv Hexer jagen und vernichten. Diese Plage gehört ein und alle mal von der Welt gefegt.

So beginnt es also. Wir zeigen den anderen den geheimen Anleger und führen sie zur Höhle. Zum Eingang von Eregors Gefängnis. Natürlich kann ich die Zwerge verstehen. Haben sie sich doch durch einen Drachen unterdrücken lassen, bis sie in den Wirren des Krieges zwischen Catara und Cibola Ankalahn den Peiniger der Zwerge endlich niederstreckten. Dennoch steigt in mir eine Empörung auf, wenn ich hier betrachte mit welchem Aufwand Eregors Gefängnis gebaut wurde.

Wunderliche Apparaturen, die sich als „Gaslampen“ herausstellen, eine Festung samt Zugbrücke mitten hier in einem Berg. Wie fanatisch muss das Volk durch seinen Befreiungsschlag geworden sein, dass sieso einen Ort bauen? Offensichtlich reicht der Ort aus, um Eregor hier gefangen zu halten. Das werden wir jetzt ändern.

Kaum haben wir diesen unsäglichen Ort betreten, stoßen wir schon wieder auf Leichen. Hier haben catarische Soldaten gegen Dämonen gekämpft. Ich kann mir kaum einen Reim darauf machen. Hatten die Zwerge uns nicht erzählt, dass die Armee Darins mittlerweile ein Untotenheer war? Warum waren diese Soldaten denn nun Menschen? Warum haben sie gegen Dämonen gekämpft, die ja eigentlich mit den Hexern und damit mit Darin im Bunde stehen sollten?

Normalerweise würde ich vermuten, dass die Soldaten hier Wachposten in Eregors Gefängnis waren, die die Hexer aufhalten wollten, aber das erklärt noch nicht die Leichen auf der catarischen Fregatte. Ich wusste gar nicht, dass es Catara war, die Eregor gefangen hielten. Aber es ist ja auch logisch. Wahrscheinlich sind die Alliierten ihm nach der Schlacht gegen Cibolain den Rücken gefallen und haben ihn hier festgesetzt.

Als Handel für seine Freiheit haben sie ihn dann gebeten,die Königslinie fortzuführen, wodurch auch Wigand entstanden ist. Offenbar kann man weder Catarern noch Zwergen trauen, denn Eregor ist ja noch gefangen. Je weiter wir in dieses Gefängnis eindringen, desto mehr verspüre ich die natürliche Macht dieses Ortes.

Feueressenz, Erdessenz… beides ist hier unglaublich stark vertreten und geradezu greifbar.

Wie so oft, haben wir zu viele Dinge zu tun und zu vieleFaktoren gegen uns stehen um den Ort zu würdigen. Hier herrschen Essenzen vor,die hervorragend für magische Experimente genutzt werden könnten. Aber waserwarte ich? Es ist ein Ort, an dem ein Drache gefangen gehalten werden kann.

Wir drangen also immer weiter in diese seltsame Höhle einund trafen kurze Zeit später auf eine Person, die irgendetwas Seltsames zu tunschien. Kaum hatte sie uns bemerkt, zeigte sie auch schon ihr wahres Gesicht.

Es war der Vyrkül…

Ich hatte ihm bereits in der Dimensionsblase gegenübergestanden. Er war es, der König Darin vernichtete und in einen der seinen verwandelte. Seinetwegen war unser König der untote Sklave Ammanas‘. Inder Dimensionsblase blieb uns nichts als die Flucht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Gefährten vor Angst zitternd und dem Wahnsinn nahe vor ihm die Flucht ergriffen.

Doch das war in der Vergangenheit. Meine Gefährten und ich sind mittlerweile ein eingespieltes Team, eine gut geölte Maschine, wie die Zwerge sagen würden. während ich meine Gefährten mit Zaubern unterstützte,schlugen sie auf den Vyrkül ein. Der Hammer des Hasses zeigte seine Wirkung, aber auch Thuran setze ihm ordentlich zu. Der Vyrkül kämpfte und er wehrte sich, doch sein Schicksal war klar. Diese Gestalt des Schreckens würde heute ihr Ende finden.

Seine dämonenverseuchte Magie konnte uns nichts anhaben, aber der Fluch des Chaos ließ all unsere Vorräte auf der Stelle verrotten. Selbst in seinem Todeskampf musste diese Gestalt uns noch schaden. Mit letzter Kraftriss er noch einen Hebel an den kruden Armaturen um, als Wigand ihmletztendlich das Flammenschwert in den Helm stieß und ihn so in ein Häufchen Asche verwandelte. Ein Gefühl der Genugtuung erreichte mich… aber das war noch nicht unser Ziel. Ammanas und Darin… wir kommen….

Nachdem der Vyrkül tot war, konnten wir uns endlich in dem Raum umsehen und entdeckten ein Fenster zu einer großen Halle. Einen Augenblick lang blieb Wigands und mein Herz stehen. Dort lag Eregor in Ketten. Sein Körper war leblos. Wir mussten einen Weg finden zu ihm zu kommen. Wir mussten ihm helfen.

Durch einen Hebel öffneten wir die Tür zur Halle, die wirklich beeindruckend war. Sie mündete direkt in den Krater des Vulkans und hatte riesige Ausmaße. Natürlich war es nicht so einfach. Kaum war die Tür geöffnet, stellten sich uns zwei Chaoskrieger in den Weg. Wenn es aber zwei Chaoskrieger wären, die uns aufhalten könnten, dann wären wir die falschen um die Prophezeihung des Wanderes und die Prophezeihung des Erbes der Drachen zuverhindern.

Dementsprechend fielen die beiden Gestalten nach ein paar Sekunden zu Boden.

Wir rannten so schnell wir konnten zu Eregor… und er lebte noch. Man hatte ihm schwer zugesetzt. Eine große Wunde hatte er am Hals und es war kaum Kraft in ihm. Festgehalten wurde er durch die stärksten Ketten, die ich jemals sah. Niemals hatte ein Drago seit dem Vergessen der alten Verträge einen Drachen gesehen. Es war, als würde er uns etwas sagen wollen. Und dann gelang es ihm…

Er sagte: „Vorsicht…..!!!“

Als Drago habe ich Zeit meines Lebens auf diesen Klang gewartet. Es gibt drei Klänge, nach denen sich ein jeder Drago sehnt. Das Sprudeln der Gischt, das Donnern der Brandung und das Schlagen der Flügel eines Drachen.

Ich hatte mir diesen Klang ausgemalt… mächtig, eindruckvoll, befreiend.

Was ich jetzt hörte war etwas anderes. Es klang nach Hass,nach Verdammnis, nach Tod.

Hinter uns landete er… Darin… bzw. die untote Hülle des einstigen Darin. Ein Vyrkül in Drachenform. Er war beängstigend, er war gigantisch…

Aber eines hatten wir ihm voraus… wir waren Drakkhar von Ravenstein, Thassilo und Wigand von den Halblingen, Hurog der Ork und Thuran Schildnase. Wir waren Krieger für das Gute und Darin war nur ein Sklave Ammanas‘. Wir hatten im Gegensatz zu Darin dieses Schicksal und diesen Weg gewählt…

Männer wählen, Sklaven gehorchen…