Endlich sollten wir diese verfluchte Höhle verlassen. Sir Kinsbane und sein Gefolge waren schon wieder Richtung Urias‘ Wacht aufgebrochen und nun sollten auch wir diesen Ort verlassen.

Dieser Sir Kinsbane erregt die Gemüter meiner Mitstreiter doch sehr. Während er unabstreitbar ein Held und Streiter für das Gute ist, so hegt zumindest Fergus einen offenen Groll gegen den Ritter. Walter ist auch offen gegen den Helden Gornemündes und Wiegand verlangt nach Handlungsanweisungen, wie wir uns Kinsbane gegenüber verhalten wollen.

Wahrscheinlich ist es das, was Menschen so… einzigartig macht. Walter und auch Wiegand stritten mit uns, ob wir denn nun mit Kinsbane zusammenarbeiten sollen, dann aber auch voll und ganz, oder ob wir gegen ihn arbeiten sollen. Calans Einschätzung traf so sicher ins Schwarze, wie ein Elbenpfeil: Natürlich liegt die Antwort in der Mitte.

Dass Sir Kinsbane uns ein weiteres mal zu einer lautstarken Diskussion getrieben hat, belegt ja nur, dass er bereits jetzt eine ziemlich Macht über uns ausübt. Wir einigten uns jedenfalls darauf, dass wir im grunde so weiter machen, wie bisher: Nicht zu viel preisgeben, nicht zu viel behindern…

Wir verließen jedenfalls die Höhle und bemerkten sofort, dass Sir Kinsbane offenbar auch einen großen Einfluss auf die Dorfbewohner hatte. Der Wachturm, der den Höhleneingang bewachen sollte, war nicht mehr besetzt. Wir eilten also ins Dorf und bekamen gerade noch mit, dass Sir Kinsbane große Verkündungen machte:

Der Fluch sei gebrochen, die Bewohner, würden für ihre treuen Dienste am Reich durch die Kirche belohnt werden, Urias würde hier eine Beerdigung erhalten und wir, die guten Streiter aus Gornemünde würden uns eine Belohnung im Rilostempel in Catar abholen können.

Er nimmt das Ruder in die Hand, das muss man ihm neidlos zugestehen.

Urias wurde sogleich durch eine ergreifende Beerdigung den Händen Drekons überlassen. Sir Khan, der Paladin hielt eine Zeremonie ab, die sehr bewegend war. Er hoffe, dass Urias Seele nach der langen Zeit der Qual in der Hexerhöhle nun endlich Ruhe und Frieden finden könne. Allerdings zweifelte er bereits daran, da Urias‘ Schwert wohl verloren gegangen sei und dies bestimmt weiterhin für Unfrieden für Urias Seele sorgen würde.

Abends wurden wir alle von den Dorfbewohnern zu einem Fest eingeladen und hatten gelegenheit mit den Gefolgsleuten Kinsbanes zu reden. Seine Gruppe wollte nach Ossum reisen, damit Kinsbane seine Familie dort besuchen könne. Irgendwann später würde sie ihr Weg allerdings nach Bataar, dieser wundersamen Insel im südlichen Meer führen.

Es sollte wohl so aussehen, dass wir etwas Zeit gewonnen hatten, war die Reise nach Urias‘ Wacht doch mehr ein Wettrennen, als eine Reise. Das Schiff nach Bataar war natürlich bereits vor ein paar Tagen aus Catar abgereist und das nächste würde frühestens in ein paar Monaten folgen.

Kinsbane ritt also zu Pferd nach Ossum und wir folgten ihnen zu Fuß. Gern wäre ich direkt nach Catar gereist, aber meine Gefährten sind offenbar nicht sonderlich gut zu Fuß, so dass sie lieber drei Tage in die falsche Richtung reisen um ein Schiff zu nehmen, als fünf Tage durch die Natür zu laufen und sich an ihren Geschenken zu erfreuen.

In Ossum angekommen, machten wir allerdings eine erstaunliche Entdeckung. Offenbar lag dort ein Kult-Schiff, das laut Calar hochseetauglich war. Wir mutmaßten sofort, dass Sir Kinsbane, seines Zeichens Kultist, sicherlich dieses Schiff nehmen könnte, um direkt nach Bataar aufzubrechen. Ob dies nun wirklich so geschehen wird, werden wir nie erfahren, aber es motivierte meine Mitstreiter dazu einen schnellen Weg nach Bataar finden zu wollen.

Wir nahmen in Ossum das Postschiff über Gornemünde nach Catar und trafen dort recht schnell ein. In Catar wollte Fergus unbedingt Wissen über bestimmte Schriftrollen bei der Akademie einholen und Walter hatte irgendwelche Befürchtungen verflucht worden zu sein, da er schlecht geschlafen hatte. Sie gingen also zur Akademie und erzählten uns am nächsten morgen Erstaunliches:

Walter hatte wohl recht. Urias‘ Schwert, welches er aus der Hexerhöhle entwendet hatte, hieß in wirklichkeit „Hexenhammer“ und sei laut der Aussage eines Magier der Akademie von einer aufgebrachten Seele besetzt.

Zumindest mir wurde mulmig bei dem Gedanken daran, dass nun nicht mehr Staubflügel der hexer, sondern wir persönlich für die fortgeführte Qual an der Seele Urias‘ schuldig sein sollten. Walter, aber auch die anderen ließ der Gedanke kalt. Wahrschelich ist so ein Schwert zu viele Goldstücke wert, um moralische Bedenken zuzulassen. Irgendetwas hat Walter jedenfalls davon überzeugt, dass er sich nur als würdig erweisen müsse, damit Urias‘ ihn irgendwann in Ruhe lässt. Bis dahin solle er eben Schutzgebete sprechen.

Über das Schicksal Urias‘ denkt er einfach nicht nach, wahrscheinlich als Schutzreflex, jetzt da wir erkannt haben, dass wir das Schwert mit hätten beisetzen müssen.

Wenn man zu lange Monster bekämpft, wird man dann selbst irgendwann zum Monster?

Fergus und Calar hatten die Nacht mit Forschern in der Akademie verbracht und konnten nun mit Erkenntnissen über Navigation und Seerouten auftrumpfen.

nun… ich muss zugeben, dass es mir vollkommen ausreicht, wenn mich ein Schiff endlich am rechten Fleck absetzt und ich auf dem Land sein kann.

Was diese Erkenntnisse aber brachten, war folgendes: Das Schiff war gezielt auf Gornemünde losgelassen worden. Es war mit magischen Runen so gesteuert, dass das Schiff nach Gornemünde treiben sollte und direkt dort seine untote Brut ablassen sollte.

Es war also nur der Anfang?

Fergus sagt jedenfalls, dass mit etwas Arbeit der Weg der „Schaumkrone“ zurückverfolgt werde könne. Zuerst mussten wir aber unserer Spur folgen und die führte nach Bataar. Wie wir erfuhren, war das Schiff nach Bataar erst vor zwei Tagen abgereist und es war nicht auf dem direkten Weg nach Bataar unterwegs, sondern fuhr erst nach Dragolad, der sagenhaften Heimat der Dragos.

Mir kam die Idee meinen neuen Freund den Dragohändler zu fragen, was er denn zu unserem Problem des verpassten Schiffs sagen würde. Er nannte uns einen Preis von 40 Goldstücken und unser Problem sollte der Vergangenheit angehören.

Es ist schön Freunde zu haben. Es wäre noch besser, wenn diese keinen Wucher betreiben würden, denn 40 Goldstücke können wir so schnell niemals auftreiben.

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