Zwischenspiel: Die Mysterien der Raben

Raben – überall sind Raben.

Der Winterhimmel schwarz von Schwingen, die umeinander Kreisen. Es ist als würdest Du von einem Schwarm Raben umschwirrt. Raben, die sich gegen deinen kräftigen Körper werfen. Weit unter dir, in der schneebedeckten Landschaft, siehst Du eines ihrer Nester. Ein Turm aus Raben…

Ein Rabenturm…

Das Laub raschelt unter Stiefeln. Vorsichtig bahnt sich die rothaarige Frau einen Weg durch den bunten Herbstwald. Durch das gelbe und rote Laub ist sie zuerst kaum zu sehen, für einen Moment perfekt getarnt. Schritt um Schritt erklimmt sie den Felsen zur Ruine. Schritt um Schritt nähert sie sich einer Ruine, den kümmerlichen Rest eines Turmes auf einem Felsen. Sie verharrt einen Moment vor dem Turm. Hier sind alte Kampfspuren…

In dem Turm, eine große rötliche Steinsäule, und auf ihr Zeichen, Runen die fast einen Sinn zu ergeben schienen. Eine Warnung.

Die Frau nähert sich vorsichtig durch den übrig gebliebenen Torbogen. Die Treppe in unselige Tiefen beachtet sie nicht einmal. Auf ihr ausgemergeltes Gesicht schleicht sich ein Lächeln. Ihre Kleider, die niemals besonders gut waren, hängen wie Lumpen an ihr herab, aber sie scheint es nicht einmal zu bemerken. Wie in Trance, oder einer fernen Stimme lauschend, nähert sie sich der Säule und berührt einige Zeichen.

Danach zieht sie aus der Oberfläche einen Stab, rötlich und mit Runenverziert, vielleicht 30 cm lang, und die Runen der Säule erlöschen. Du weißt, dass sie nun große Macht in Händen hält. Sie lächelt nochmals in den Himmel, und scheint Dir direkt in die Augen zu sehen, bevor sie den Stab unter ihrem zerfledderten Gewand versteckt und sich zurück nach Norden aufmacht.

Dies ist der erste einer Reihe von Albträumen von denen Wigand heimgesucht wird. Immer wieder träumt er von der rothaarigen Frau, die er als seine Schwester Tanja erkennt.

Mit einer List überredet er seine Freunde ihm nach Eichenweiher zu folgen,um dort Tanja zu retten. Doch leider sind sie zu spät: Tanja hat mit dem Runenstab die ganze Burg des Hexers, und damit sich selbst in einem Schlag vernichtet!

Erst später erfährt Wigand, dass der Stab tatsächlich die Burg und alle darin in ein Dimensionsgefängnis versetzt hat. Doch Tanja zahlt einen fürchterlichen Preis für die Verbannung des wiedergeborenen Ammanas:

Raben – überall sind Raben.

Der Winterhimmel schwarz von Schwingen, die umeinander Kreisen. Es ist als würdest Du von einem Schwarm Raben umschwirrt, die sich gegen deinen kräftigen Körper werfen. Jeder einzelne ein Nadelstich. Weit unter dir, in der schneebedeckten Landschaft, siehst Du eins ihrer Nester. Eine Grube voller Raben, in einer Burg…

Ein Rabe erhebt sich, unter Protest krächzend, von einer Leiche. Eine Palisade, gespickt mit Leichen, ist ein wahres Festmahl für den Vogel. Die langsam aufkommende Kälte bewahrt die Körper vor der Verwesung. Bald wird sie mit Frost das Festmahl beenden. Doch der Rabe erspäht im Schnee einen besonderen Leckerbissen. Träge gleitet ein Feuersalamander die Holzbalken hinauf, auf der Suche nach einem sonnigen Plätzchen. Mit einem „kaa“ lässt sich der Rabe in Richtung seiner neuen Beute gleiten.

Ein kurzes Aufleuchten

Ein Statuenpaar, von Mann und Frau? König und Königin? Uralt und verwittert, und dennoch voller majestätischer Würde. Beide in Gewändern, die Frau mit Zweigen im Haar, der Mann mit Rabenfedern..

Ein zweiter, stärkerer Blitz, schmerzvoll!

Dunkelheit…

Absolute Dunkelheit – der Geruch von modrigem Holz und Erde – so schlägt sie gegen die Wände ihres Gefängnisses. Sie steckt in der Grube – sie kommt nicht hinaus. Sie weiß nicht, wie lange sie schon in der Grube steckt, aber sie leidet. Sie hungert – nach Essen, nach Licht, nach Leben.

Ein Rabenschnabel durchstößt wieder und wieder ihre Brust – immer wieder verheilt die tödliche Wunde – Dunkelheit, Sehnsucht, Schmerz…