Szene II: Diplomatenpost

Der neue Tag war heran, und als endlich gelang es den Freunden zuHofbibliothekar Melchior vorzudringen. Ihm berichten sie von den cibolanischen Spionen und den Plänen von Kellernwet.

Zutiefst beunruhigt ruft Melchior Baron Düsterheim hinzu, der den Heldenrecht gibt: Dies seien in der Tat besorgniserregende Dinge.

Der Baron bittet die Freunde doch im Palast zu warten, das müsse sofort imThronrat besprochen werden.

Einige Zeit später werden alle auch zum Thronrat gerufen, wo sie dem König persönlich Bericht erstatten sollen. Sie erfahren, daß diese Informationen gerade rechtzeitig kommen: Sollte doch eigentlich ein Waffenstillstand mit Cibola ausgehandelt werden, und der Kampf gegen den Emporkömmling, wie Gerrithier genannt wird, aufgenommen werden.

Doch nun zeigt sich, dass dieses wohl ein Ablenkungsmanöver Cibolas sei. Es müsse wohl neu nachgedacht , und ein neuer Plan geschmiedet werden.

Die Freunde ziehen sich zurück, um mit Lady Alsen zu sprechen, während Giselle Ihre Informationen über die Spione und Sympathisanten weitergibt.

Drakkhar spricht Lady Alsen in wohlverkleideten Worten auf seine Pläne und seine daraus resultierenden Probleme mit der Akademie an. Die Erzmagierin lässtihn wissen, dass ihr diese Dinge sehr wohl bewusst seien – anscheinend hat sie selbst einen Pakt mit den Drachen.

Allerdings kann sie Drakkhar nicht sehr ermutigen: Eregor sei schließlich nur ein relativ junger Drache, der nur etwas mehr als ein Dutzend Priester mitKraft versorgen könne. Und ein Drachenkult sei dieser Tage eh äußerst schwerder Öffentlichkeit zu vermitteln – von dem Hass der Zwerge gegen Drache ganz zuschweigen. Schließlich hat Ankalan der Schwarze damals fürchterlich unter ihnen gewütet.

Doch sie kann zumindest eine seiner Befürchtungen zerstreuen: Nomakon duldet durchaus Lippenbekenntnisse wenn es um seine Priestermagier geht. SolangeDrakkhar nicht aktiv gegen ihn arbeitet, darf er das Amulett tragen um so denSegen der Akademie zu behalten.

Zusätzlich erzählt Lady Alsen ein wenig über Ankalan: Der Schwarze sei ein Erddrache gewesen, der schon immer eine Affinität zu Zwergen gehabt hätte. Es wird vermutet, dass die Zwerge einen Teil ihrer Schmiedekunst von Ankalan gelernt hätten. Mit diesem Wissen hatten sie dann schlussendlich den Hammer des Hasses schmieden können, die Waffe mit der Yugrimm Ankalan erschlagen hat. Und Eregor hat Wigand im Traum verraten, dass er die Prophezeiung der Drachen anders kennt: Dort ist nicht vom steinernem Herzen die Rede, sondern eben von jenem Hammer des Hasses.

So reimen sich die Freunde die Bedeutung dieser Prophezeihung zusammen:Sollte der Erbe der Drachen jemals in cibolanische Hände gelangen, kann Catara nicht mehr vom Untergang bewahrt werden, es sei denn jemand nutzt den Hammerdes Hasses gegen den Drachenerben. Das Artefakt wäre dann ein Heilsbringer für Catara, aber der endgültige Untergang der Linie der Drachen… Rettung und Schmerz, des Schicksals Scherz.

Nachdem Wigand, immer noch neugierig was seine Herkunft belangt, insistierterklärt sich Lady Alsen bereit die Helden in einige Geheimnisse derReichsgründung einzuweihen. Nachdem sie auf einen dragischen Schwurstein einenBluteid abgelegt habe, diese Geheimnisse niemanden zu verraten, erzählt sie vondem naiven Pakt den der Prophet und Edward I. eingegangen sind:

Den beiden gelang es während des Befreiungskrieg den Jungdrachen Eregor zuseiner Hilfe zu zwingen. Drachische Magie gewährte Edward I. die notwendigeKraft und das lange Leben das er brauchte um Catara den Cibolanern endgültig zuentreißen.

Lange Jahre nach der Reichsgründung benötigte Edward I. dann noch einmal Hilfe von Eregor: Durch die Lebensverlängerung war Edward zeugungsunfähig,benötigte aber dennoch einen Erben. Durch Alchemie, drachisches Geheimwissenund Magie wurde Edwards Sohn und Nachfolger Edward II. gezeugt. Dieser warjedoch nur durch die tägliche Einnahme alchemistischer Tränke überlebensfähig.Und natürlich war auch er nicht fähig aus sich selbst ein Kind zu zeugen.

So wurde ein neuer Pakt mit Eregor geschlossen: Durch Eregors Hilfe wurdedie Saat von Edward II. verbreitet. Zwei Söhne wurden gezeugt. Erst wurde dasVerfahren erprobt, was Gerrit hervorbrachte, danach wurde Darin Drachenprinzgeboren.

Als Lohn für diese Tat wurde Eregor ermöglicht eigene Kinder unter dieMenschen zu streuen, um so das Erbe der Drachen zu sähen.

Später trifft Drakkhar Nasran von Gornherz, auch bekannt als Nordwind vomKult der 9 Altäre. Von Gornherz hat schon früher signalisiert, dass er für diekönigstreuen Elemente des Kultes steht. Nun erklärt er Drakkhar, dass es ihm gelungenist, die Schriftrolle mit der Anleitung für den Gebrauch der zwergischenStabwaffe aufzufinden.

In wenigen Wochen wäre sie in Catar. Allerdings sei sie verschlüsselt undDrakkhar müsste einen verschwiegenen Ort bereitstellen, an dem diese Rolle von einemverschwiegenen Kultisten entschlüsselt werden könne. Drakkher willigtselbstverständlich ein, einen solchen Ort so schnell wie möglich aufzutreiben.

In der folgenden Nacht erfährt Wigand von seinem Vater, dass all diesestatsächlich wahr ist. Und eine Vermutung drängt sich ihm auf: Die so gezeugtenKinder des Drachen haben sich bisher alle als unfruchtbar erwiesen – zumindestist Eregor nichts Gegenteiliges bekannt.

Am nächsten Tag machen sich die Freunde früh auf, um den alten TurmRabenschnabel aufzusuchen. Hier hatten sie vor einem Jahr einen Hexerkultzerschlagen. Alle sind sich einig, dass dieser Ort verschwiegen genug fürDrakkhars Zwecke sei – vorausgesetzt er ist immer noch sicher.

Eine Begehung fördert zunächst zwei große Feuerkäfer zutage, die aberschnell ausgemerzt sind. Sicherheitshalber verschließen die Helden das Loch inder Tunnelwand durch das die Biester in die Anlage gelangen konnten.

Ansonsten stellt sich heraus, dass der Keller mit den Leichen und demhalbsezierten Dämonenkörper darin immer noch einen grausigen Anblick bietet.Allerdings ist das obere Stockwerk sauber genug für die klandestinen Treffen -Drakkhar kann hier also den Kultisten übersetzen lassen.

Wigand nimmt die in den halbverrotteten Regalen lagernden alchemistischen undeindeutig magischen Tinkturen mit, um sie später von Lady Alsen untersuchen zulassen.

Am Nachmittag, wieder zurück im Schloss, treffen sich die Freunde einweiteres Mal mit Baron Düsterheim. Der Einäugige teilt ihnen mit, dass derThronrat die Warnungen Giselles äusserst ernst nähme. Einen Bürgerkrieg könnedas Reich sich jetzt auf keinen Fall leisten. Allerdings muss der Gegenangriffsehr genau geplant werden, und selbst dann ist ein Gelingen nicht sicher.

Der vielversprechendste Plan sei es, eine Truppe tapferen, zu allementschlossenen Helden durch das Portal in Seehain-Gorn zu schicken. Sie würdensolange in dem Altarraum auf Kellernwets Stützpunkt in Myrandia aushalten, biseiner von ihnen mit der zwergischen Waffe die dortigen Altäre geschlossen – unddamit Kellernwets Macht gebrochen hätte.

Um zu verhindern, dass Kellernwet persönlich gegen diese Helden vorgeht,müsste gleichzeitig die versammelte Armee Cataras von aussen angreifen und dencibolanischen Heerführer dadurch ablenken.

Wie genau dieser Plan durchzuführen ist, kann aber erst geklärt werden, wenndie Anwendungsart der Waffe genau bekannt ist – also in etwa drei Wochen.

In der Zwischenzeit sollen die Freunde als Botschafter nach Ratsholm reisen.Ihre Aufgabe dort ist es, Gegenkönig Gerrit von einer zeitweisen Allianz gegenCibola zu überzeugen, damit Catara geeint steht.

Um ihn zu einer Zusammenarbeit zu bewegen, dürfen sie mehrere Zugeständnissemachen:

·Die vereinte Armee kann unter Kommando von Fürst Ottokar stehen

·Niedere Ritter und Lords bekommen eine präventive Generalamnestiefür einen eventuell danach folgenden Bürgerkrieg

·Die Krone zahlt Verpflegung für das ganze Heer

So reisen denn alle zusammen mit Giselle nach Norden. Giselle ist immer nochnur durch den Ring der Herrschaft vor Kellernwets Macht geschützt – diese kannwohl nur durch seinen Tod gebrochen werden. Zur Sicherheit haben Thassilo undWigand sie als „Lady Yvette“ verkleidet, damit kein Spion Cibolas sieerkennt.

Ratsholm, die neugegründete Stadt vor Burg Hohefels weist zwar noch vieleBaulücken auf, macht aber schon einen wehrhaften Eindruck. In ihrer Mitteerhebt sich das Heerlager des Gegenkönigs Gerrit, inklusive vielerRilostruppen. Ein Anblick, der jeden daran erinnert, auf welcher Seite dieKirche steht.

Später werden einige feststellen, dass nicht wenige der Soldaten noch vonder Pest gezeichnet sind, diese Armee also nicht ganz so schlagkräftig ist, wie auf den ersten Blick anzunehmen war.

Auf Burg Hohefels bekommen die Sonderbotschafter zwei größere Räumezugewiesen, und noch am selben Tag erhalten sie ihre Audienz bei König Gerrit.

Groß ist die Überraschung, als Wigand Giselles Maskerade lüftet und von derdrohenden Gefahr durch die Cibolaner berichtet. Markgraf Tramon wittert eine Kriegslist von Baron Düsterheim, aber Fürst Karsat scheint Wigand zu glauben.

Schließlich verspricht dieser handfeste Beweise und einen Waffenstillstand. Aber dennoch muss König Gerrit sich erst einmal mit seinem Rat (Bischofsmagier Engels, Fürst Karsat und Markgraf Tramon) beraten. Die Freunde sollen in der Zwischenzeit die Gastlichkeit von Burg Hohefels genießen.

Wigand tut genau dies, und hört sich bei der Gelegenheit in der Burgkücheum. Er erfährt die Namen der anwesenden Adligen und kann so später mit Giselle eine Liste der am besten beweisbaren Verräter zusammenstellen. Er plant, diese Liste am nächsten Tag vorzulegen.

Am nächsten Tag startet Fürst Ottokar mit den Helden zu einem Ausritt…

Laut prasselt der Regen gegen das Kutschendach. Die meisten der Passagiere sind durch das anhaltende Geräusch und dem Geschaukel schläfrig geworden und dösen. „und Tuften….“schwärmt Thassilo, in einen kulinarischen Traum versunken.

Wigand starrt aus dem Fenster in das Regengrau, die Finger schmerzhaft fest um das Amulett mit dem Zeichen Shailins geschlossen.

Wie lange schon trägt er dieses Amulett? Wie lange hat er sich vor der Verantwortung Vater zu werden gedrückt. Immer wenn Thassilo und er ein zweites Mal in ein Dorf kamen, fürchtete Wigand insgeheim, dass ihm eine gutaussehende junge Magd ein kleines schreindes Bündel in den Arm drücken würde.

Ihm war stets klar, dass solch ein Ereignis das Ende seiner Abenteuer bedeuten könnte. Seine Familie in den Hobbitlanden hat ihn immer als einen der ihren behandelt, aber tief in seinem Inneren war Wigand stets klar, dass er mit Glück ein Waise war – mit Pech hatten seine echten Eltern ihn damals ausgesetzt, ausgesetzt weil sie ihn nicht wollten.

Einem eigenem Kind würde er das nie antun, hat er sich damals geschworen. Es würde seine größte Gaunerei sein, dem Schicksal ein lebendes Vermächtnis abzutrotzen.

Und nun diese Erkenntnis: All die Jahre hat er das Amulett umsonst getragen. All die Sorgen waren vergebens.

Aber die geheimen Hoffnungen auch.

Verstohlen schaut Wigand zu seiner Schwester. Was sie wohl davon halten würde. Ist ihr das überhaupt schon aufgegangen? Vielleicht ist sie ja froh über diesen Umstand.

Das Shailin-Schutzamulett fliegt in hohem Bogen aus dem Kutschenfenster.

Wigand ist nicht froh darüber. Erst jetzt, wo er weiß, dass er keine Kinder wird zeugen können, wird ihm schmerzhaft klar, dass er gerne welche gehabt hätte…

Am Hofe König Gerrits

Dick in ihre Wintermäntel gehüllt reiten die Freunde mit Fürst Karsath durchdie schneeverhangene Landschaft. Der Fürst ist sichtlich erfreut über dieAbwechslung von der mühevollen Planung eines Bürgerkrieges. Er scheint heuteauf gar keinen Fall über Staatsdinge sprechen zu wollen, zumindest nicht bissie nicht an der kleinen Jagdhütte eine halbe Tagsreise entfernt angekommensind.

Dort ist man endlich unter sich, und Ottokar wagt es offene Worte an dieGruppe zu richten. Da er sie ja nun schon lange kennt, und sie ihre Treuegegenüber dem Reich mehr als einmal bewiesen haben, sähe er gar keinen Grund anihren Worten zu zweifeln.

Allerdings gilt das nicht für König Gerrit, und ganz bestimmt nicht fürMarkgraf Tramon, der immer noch sehr mißtrauisch sei. Ein Beweis müsste her,irgendetwas, das jeden Zweifel ausräumt. Und dann bleibe ja auch immer noch dasProblem des weiteren Vorgehens: Es wird schwerlich möglich sein, jetzt sofortalle Verräter zu verhaften, und um deren Burgen eine nach der anderen zubelagern reichen weder Zeit noch Ressourcen.

Nach längerer Unterredung entsteht schliesslich gemeinsam ein Plan: Gisellewird einen der beiden Verdächtigten mit einer Mission für Cibola beauftragen.Dieser wird diese Mission nicht selbst ausführen können, sondern muss denanderen Verdächtigten um Hilfe bitten. Giselle wird einen Ort für ein Treffender beiden vorschlagen, den König Gerrit belauschen kann, und so seinen Beweiserhält.

Ansonsten sehen die meisten es als am besten an, wenn die Verrätertatsächlich erst kurz vor dem Feldzug verhaftet werden, um sie so alle aufeinmal zu erwischen – schließlich sammeln sich alle über den Winter beiHohefels.

Entschlossen wird dieser Plan auf Burg Hohefels auch durchgeführt: Wigandund seine Schwester mieten sich zur Tarnung in einem Gasthof ausserhalb derBurgmauern ein und entfernen Giselles Tarnung. Nun wieder rothaarig trifft sichGiselle mit einem der mutmaßlichen Verräter und gibt ihm einige Anweisungen.

Nicht wenig später trifft er sich tatsächlich mit dem schon verdächtigtenhochrangigen Adligen in der eigens dafür ausgesuchten Kapelle. Entsetzt müssenKönig Gerrit und seine Berater mit anhören wie beide planen für Cibola zuagieren. Jeglicher Zweifel an den Aussagen von Giselle ist damit dahin.

Am nächsten Tag trifft sich Gerrit wieder mit Wigand und seinen Freunden.Die Einzelheiten der vorgeschlagenen gemeinsamen Aktion der beiden streitendenBrüder sollen geklärt werden. Wigand nimmt all sein Verhandlungsgeschickzusammen und so gelingt es ihm tatsächlich das für König Darin Bestmöglicheherauszuholen:

·König Darin hat den Oberbefehl

·Fürst Karsath bleibt jedoch Herr über die Truppen Gerrits

·Jeder König bezahlt und rüstet seine eigenen Leute aus.

Verschwiegen aber triumphal kehren die Freunde so wieder nach Catar zurück,wo ein sehr erfreuter Darin die Nachricht von der erfolgreichen Mission zurKenntnis nimmt. Zwar können sie noch nicht öffentlich belobigt werden, aber derrauschende Neujahrsball entschädigt auch dafür.