Da standen wir nun vor dem Eingang zur Höhle, die einst Urias der Berg (und neben ihm sicherlich diverse andere Mutige oder Waghalsige) betreten hatte, um Staubflügel, dem Hexer des Mottenklans ein Ende zu bereiten. Es war die einzige Spur die wir hatten. Wenn wir umso wichtiger, dass wir hier voranschreiten.

Wohl war mir nicht bei der Sache. Immerhin hatten die Einheimischen uns nach ihrem Test passieren lassen und den Höhleneingang freigegeben. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob und warum sie uns als würdig erachteten. Zugegeben, am nötigen Mut mangelt es unserer Gruppe im Wesentlichen sicherlich nicht. Aber wenn ich jetzt so in die Augen meiner Begleiter blicke, kommen mir hier und da Zweifel. Die Elben würden es nie zugeben, wenn sie ein Gefühl wie Angst spüren würden, sie versprühen Zuversicht durch und durch.

Ich kann mir hier keine Blöße geben. Wenn ich es je zu etwas bringen will und zu Ansehen im Kreise der Zauberkundigen gelangen will, dann muss ich hier mit Erfolg durchgehen, koste es, was es wolle. So lasse ich mir meine Furcht nicht anmerken und steige hinab ins Dunkle, mit den wenigen Kräften, die ich habe…

Die dunklen Gänge verströmen Unheil. Die wiederkehrend heisere Stimme, die uns zu erwarten scheint ist kratzig und hallend durch die Gänge zu vernehmen und trägt ihren Teil zu meinem Unwohlsein dazu. Ich weiß nicht, ob es töricht oder klug war, unser Kommen lauthals durch die Gänge zu posaunen, aber wer auch immer uns erwartete, schien nun seine Horden untoter Wächter auf uns zu hetzen. Eine handvoll Motten flog nahezu unbemerkt durch die Gänge, um die Gefallenen und Reste der Gebeine zu untotem Leben zu erwecken, mit dem unmissverständlichen Auftrag versehen, uns zu vernichten.

Meine Gefährten schienen aus allen Richtungen Unheil zu vernehmen, so dass auch ich loseilte, um Ihnen bei Seite zu stehen. Ein Haufen toter Gebeine erwachte auf unnatürliche Art zu unheiligem Leben und ich konnte, Nomakon sei Dank, ein Feuer entfachen, um das Schlimmste abzuwenden! Teuflisch! Die Mächte des Unlebens sind gefährlicher und schneller, als ich erahnte! Ich konnte der fauligen Pranke nicht mehr ausweichen, verlor das Bewusstsein und ging zu Boden.

Erst später erwachte ich und musste mit Erschrecken feststellen, dass sich unser Vorgehen als verhängnisvoll erwiesen hatte! An zu vielen Schauplätzen hatte das Unleben sein Schandwerk gegen uns gerichtet! Meine Freunde sahen geschwächt aus und zu allem Übel nahte ein Troll heran, der in seinen Händen einen Holzkäfig zu tragen schien, in dessen Inneren ein lebendiger Schädel mit fahler Stimme sein Kommando vergab.

Nein, es ist falsch! Er ist der einzige, der uns vielleicht Antworten auf unsere Fragen geben könnte!! So dachte ich jedenfalls und sprang noch hervor, um im selben Schritt den Schwung aus meinem Lauf zu nehmen, als ich die entschiedenen Blicke meiner Freunde erkannte, die mir sagten, dass sie dem unheilvollen Kommandeur und jeglichem weiteren untotem Dasein ein für alle Mal das falsche Leben aushauchen wollten! Knirschend und krachend konnte ich den Schädel zerbersten sehen und der Spuk nahm vorübergehend sein Ende.

Zum Glück konnten wir weiteren Gläsern, in denen gezüchtete Todesmotten aufbewahrt wurden, habhaft werden. Leider ließ ich im Eifer des Gefechtes unachtsam eines der Gläser fallen so dass eine handvoll Motten im Dunkel der Gänge verschwand. Zu dumm, dass einer meiner Gefährten unachtsam in dem unterirdischen Gewässer übergroße Krebse aufschrecken musste, die uns prompt angriffen.

Mir ist gewiss, dass wir hier noch auf weitere Untote treffen werden! Wir werden allerdings entschieden gegen alles Unleben vorgehen, bis die letzte Gefahr beseitigt werden konnte! Danach werden wir hoffentlich Spuren und Anhaltspunkte von Urias oder dem unheilvollen Hexer finden… Die Frage ist nur, ob wir uns nunmehr eine Rast gönnen oder gleich voranschreiten werden. Wie ich die Elfen kenne, dürte die Entscheidung allerdings bereits gefallen sein.

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