Früh­som­mer, Jahr 258 des Lich­tes, an Bord der Schaum­kro­ne

Das Meer hat kei­ne Moral. Das Meer gibt und das Meer nimmt, wie es ihm gefällt. Or-Koris ist das Meer. Was hast du uns hier gege­ben, Or-Koris? Ist es eine Stra­fe für eine deka­den­te Stadt, die dem Meer nicht genug Respekt ent­ge­gen­ge­bracht hat? Oder hat sich etwas durch Dein Reich bewegt, Herr, das so wie­der­na­tür­lich ist, dass Du es von dir gesto­ßen und aus­ge­spuckt hast? Viel­leicht hast Du Dein Auge abge­wandt von die­sem Fle­cken Was­ser? Ich ver­mag es nicht zu beur­tei­len…

Als wir uns mit der klei­nen Scha­lup­pe auf­mach­ten zu dem Elben­schiff, da froh­lock­te es in mir. Ich wür­de nicht durch die schmut­zi­gen Stra­ßen der Stadt schlei­chen müs­sen, son­dern konn­te das Meer, mein Ele­ment besu­chen, mein Schick­sal erneut in dei­ne Hän­de legen und einem Rät­sel auf die Spur kom­men. Lang­sam began­nen wir die tod­ge­weih­te Insel zu pas­sie­ren, als uns ein Ruf auf­schreck­te. Ein Über­le­ben­der hat­te sich auf die Stadt­mau­er geret­tet und wink­te uns zu. Ungüns­ti­ger wei­se war er an einem Turm, der nicht direkt an das Was­ser grenz­te, wes­we­gen ich ihm bedeu­te­te der Mau­er bis zu einer bes­se­ren Stel­le zu fol­gen.

Dort ange­kom­men warf die arme See­le ein Seil vom Turm hin­ab, und begann zu klet­tern. Gut 40 Meter hat­te er zu über­win­den, und war gra­de mal ein Vier­tel weit gekom­men, als ein paar Ske­let­te, wel­che ihn wohl bemerkt hat­ten, auf dem Turm auf­tauch­ten. Wäh­rend wir noch ver­such­ten die­se unto­ten Scher­gen mit Pfeil und Bogen zu bekämp­fen ließ der Flüch­ten­de das Seil fah­ren. Er stürz­te gra­de­wegs in dei­ne Umar­mung, Or-Koris. Wal­ter, mein Gefähr­te, warf sich naiv in die Flu­ten um den Mann noch zu ret­ten, nicht ahnen, dass Du, Herr, ihn schon zu dir geholt hat­test. Ich begann ein kur­zes Gebet um dei­nen Zorn wenigs­tens von dem vor­ei­li­gen Men­schen mei­nes Trupps fern­zu­hal­ten. In dei­ner Gna­de lie­ßest du ihn mit dem Schre­cken davon­kom­men. Das Meer gibt und nimmt wie es ihm gefällt.

Kaum hat­ten wir Wal­ter wie­der an Bord, hat­te dein Reich uns auch schon zu unse­rem eigent­li­chen Ziel geführt und unser Boot stieß an die Bord­wand des Kriegs­schif­fes, wel­ches sich in töd­li­cher Umar­mung mit dem Elben­schiff befand. Wir bestie­gen vor­sich­tig das Deck und beob­ach­te­ten erst ein­mal die Lage. Auf Deck bot sich uns ein Bild der Ver­wüs­tung. Steu­er­bord am Bug hat­ten sich die bei­den Schif­fe inein­an­der gebohrt. Der Heck­mast des Kriegs­schif­fes war abge­bro­chen und auf das Elben­schiff gestürzt und die Heck­auf­bau­ten des Schif­fes waren ein ein­zi­ger Trüm­mer­hau­fen.

Über­all lagen die Lei­chen der Sol­da­ten der Stadt und Kno­chen­res­te der Unto­ten. Die schar­fen Ohren des Halb­lings konn­ten tat­säch­lich das lei­se Stöh­nen eines schwer­ver­letz­ten und bewusst­lo­sen See­manns aus­ma­chen, wel­chen wir unter den Mast­trüm­mern ber­gen konn­ten. Vor­sich­tig brach­ten wir ihn zu unse­rem Schiff und ver­sorg­ten ihn so gut es ging. Du, Herr, wirst wis­sen, ob es ihm vor­her­be­stimmt ist jemals wie­der Land unter den Füßen zu haben.

Da der Weg ins Kriegs­schiff durch Trüm­mer ver­sperrt war und wir ja das Geheim­nis des Elben­schiffs ergrün­den woll­ten, beschlos­sen wir in Bug­nä­he das Elben­schiff zu entern. Eine beschä­dig­te Ram­pe, wel­che an der Stadt­mau­er ende­te, zwei Anker­ket­ten und ein gro­ßer, haus­ar­ti­ger Schiffs­auf­bau war, was wir als ers­tes zu Gesicht beka­men. Alle Tei­le des Schif­fes waren mit feins­ten Schnit­ze­rei­en ver­ziert, wie sie nur mein Volk schaf­fen kann.

Und das Schiff sah sehr, sehr alt aus. Ein kur­zer Blick in eines der Ket­ten-Löcher an Deck zeig­te, dass das Schiff lei­der noch nicht frei von sei­ner gott­lo­sen Fracht war, aber ein Streich von Wal­ter konn­te die Kno­chen zu ewi­ger Ruhe brin­gen. Nach­dem wir uns kurz umge­se­hen hat­ten, beschlos­sen wir wei­ter ins Inne­re des Schif­fes vor­zu­drin­gen. Die Magi­er hat­ten von einem dämo­ni­schen Arte­fakt irgend­wo im Schiff berich­tet, also wür­den wir auch danach suchen müs­sen. In den Auf­bau­ten gab es eine Trep­pe, wel­che unter Deck führ­te, und ein paar Räu­me. Auch hier fan­den wir ein­zel­ne Gebei­ne, und nach einem kur­zen Stück Weg ein gro­ßes Loch im Fuß­bo­den, wel­ches unser Wei­ter­kom­men erst ein­mal ver­sperr­te. Ein Bogen zurück nach drau­ßen führ­te uns durch eine wei­te­re Tür in den uns durch das Loch ver­wehr­ten Raum.

Die­ser hat­te eine Kup­pel­de­cke wel­che ein wei­te­res Wun­der war, wie sie nur von Elben geschaf­fen wer­den kön­nen. Die Decke stell­te mit Hil­fe von fei­nen Kris­tal­len den Ster­nen­him­mel dar. Doch wir konn­ten uns die­sem Wun­der nicht lan­ge wid­men, da wei­te­re Mit­glie­der der unhei­li­gen Besat­zung des Schif­fes unser Leben been­den woll­ten. Nach­dem auch die­se unter unse­ren Waf­fen gefal­len waren, erkun­de­ten wir wei­te­re Wege durch das Schiff. Eine Trep­pe nach oben führ­te zu einem Aus­gang auf das Ober­deck von wo man auch den ein­zi­gen noch ste­hen­den Mas­ten hät­te bestei­gen kön­nen, wären und im Raben­nest nicht die Bewe­gun­gen von Unto­ten auf­ge­fal­len. Wir ent­schie­den uns für einen ande­ren Weg.

Unten, unter den Auf­bau­ten gab es einen gro­ßen Raum, wel­cher die vor­de­re Hälf­te des Schif­fes aus­füll­te. An den Wän­den waren Kratz­spu­ren zu sehen, wie sie bestimmt von all den unge­zähl­ten Unto­ten hin­ter­las­sen wur­den. Wesent­lich inter­es­san­ter für uns waren aller­dings zwei ande­re Din­ge in die­sem Raum. In der Mit­te befand sich ein selt­sa­mer, mys­ti­scher Stein, der kei­ner­lei Hin­weis erken­nen ließ, wie er dort­hin gelangt sei. Dazu leuch­te­te er schwach und war von durch uns nicht zu ent­zif­fern­de Runen bedeckt. Mein Cou­sin begann die­se abzu­zeich­nen, um sie Gelehr­ten vor­le­gen zu kön­nen.

Ich ent­deck­te dazu die nicht ske­let­tier­te Lei­che eines cibola­ni­schen Admi­rals, dem offen­sicht­lich mit einem schar­fen Stein die Keh­le durch­ge­schnit­ten wor­den war. Er befand sich schon im Zustand der Ver­we­sung, war aber wohl vor­her mit dem Schiff ein­ge­fro­ren gewe­sen. Nach­dem wir nichts Wei­te­res an ihm gefun­den hat­ten unter­such­ten wir den Rest des Rau­mes, ohne wei­te­re Erkennt­nis­se. An die­ser Stel­le bit­te ich nun dich, Or-Koris, über­nimm den Kör­per die­ser armen See­le. Er mag vor vie­len Jah­ren gestor­ben sein, aber er starb in dei­nem Reich. Und in dein Reich über­ge­be ich nun sei­ne Über­res­te, auf das er Frie­den fin­det und du einen Alba­tros mit sei­ner See­le zu Dre­kon sen­den kannst.

Moment – Der Alba­tros bin ich, und die­ses Schiff ist vol­ler ruhe­lo­ser See­len. Ich den­ke ich habe ver­stan­den, dan­ke Or-Koris: Ich wer­de alle die unglück­li­chen See­len, die noch auf die­sem Schiff umher­geis­tern in dein Reich brin­gen, damit dir Gerech­tig­keit getan ist. Ich wer­de mich an die Arbeit machen, ich hof­fe mei­ne Gefähr­ten wer­den mir hel­fen.

Das Meer ist!

Comments

  1. grummelige Priester — See der Tausend Inseln Teil 3 – Orkpiraten on 01.20.2010

    […] Betei­lig­ten Spaß hat­ten. Ich bin gespannt auf die Spie­l­er­zu­sam­men­fas­sung Und da ist sie schon: Dort kann ich dann hof­fent­lich sehen, wel­che im Spiel erwähn­ten Infor­ma­tio­nen […]

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