12

Apr

by Carsten

Calar Diomedea warf sich in seiner Hängematte unruhig hin und her. Nur mit Mühe hatte er in die elfische Meditation finden können, und selbst diese brachte ihm nicht die gewöhnliche Ruhe. Die Worte des kleinen Halblings mit dem großen Herzen hallten in seinem Kopf wieder „Man kann diese armen Sklaven doch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen, was sagt dein Gott dazu?“ – „Das Meer gibt, und das Meer nimmt“, hatte Calar mit einem Achselzucken geantwortet.

Wieder und wieder fuhren die Worte von Fergus und seine eigene Antwort über Calar hinweg. Hin und her, wie die Wellen des Meeres. Das Meer gibt… das Meer nimmt…

Rauschend breitete sich das endlose Wasser unter dem Albatross Calar aus. In keiner Himmelsrichtung war Land zu sehen, und nichts anderes erwartete er. Calar war an einem perfekten Ort, so nah an Or-Koris wie nie zuvor. Plötzlich erblickte er eine Insel in Or-Koris‘ Meer. Neugierig flog er näher, verwundert was das zu bedeuten habe. Auf der Insel sah Calar eine Gestalt, humanoid, und in Roben gewandet. Ein Priester von Or-Koris. Warum war dieser auf einer Insel, fragte sich Calar, da bemerkte er, dass aus den Ärmeln der Robe Sand rieselte.

Der Priester, abwesend oder gar extatisch damit beschäftigt die heiligen Gesten zu vollführen, merkte gar nicht, dass er beim Beten und Lobpreisen den Sand verstreute, und die Insel langsam größer wurde. Bald begann sich um den Priester gar ein Tempel zu erheben, und Calars Herz frohlockte, denn es war der größe und schönste Tempel zu Or-Koris Ehren, den er je gesehen hatte. Nun würde sich Or-Koris nicht mehr hinter Elegil verstecken brauchen, oder hinter anderen „Heiligen“ zurückstehen!

Und schon war der prachtvolle Tempel fertiggestellt. Der Priester begann den Segen zu sprechen, der den Tempel Or-Koris übergeben sollte, als Wind aufkam, und mächtige Wellen das Fundament umspülten. Bevor sich das Entsetzen ganz in Calar dem Albatross ausgebreitet hatte, war der prunkvolle Schrein zerfallen, die Insel in den Wellen versunken.

Verständnislos drehte er seine Kreise über den überspülten Ruinen. Warum hatte Or-Koris den Tempel zerstört?

Calar wachte schweißgebadet auf. Aufgebracht ging er an Deck um sich vorsichtig der Reling zu nähern. Sein Blick streifte über die Küste, über den Himmel und blieb letztendlich doch an den Wellen hängen, in denen sich schwach das Sternenlicht wiedespiegelte. Was wollte ihm seine Vision sagen? War Or-Koris erzürnt?

Nach einer ganzen Weile glaubte er zu verstehen. Das Meer gibt, das Meer nimmt. Nicht der Mensch. Der Priester in seinem Traum hatte sich angemaßt zu entscheiden, etwas zu geben. Dabei gab es einen guten Grund, warum nur Schiffe zu Tempeln von Or-Koris gemacht wurden. So blieb die Entscheidung letztendlich in der Hand des Gottes. Und genauso war es anmaßend, die Lebewesen im Laderaum als Sklaven zu halten. Nur die Götter, oder die Lebewesen selbst hatten das Recht, über ihr Schicksal zu entscheiden. Der Drago durfte nicht einfach nehmen.

Elegils Edikt gegen die Sklaverei stand im Einklang mit Or-Koris Gesetzen, und vielleicht war es sogar die Verbindung mit den anderen Mitgliedern der Heiligen Familie, die Or-Koris zu dem machte, was Calar beeindruckte. Denn war nicht auch der Albatross zwar eine Kreatur von Or-Koris, aber gleichzeitig ein Bote an den Erzengel Drekon? Diese Dragos scherten sich kein bißchen um die Gesetze oder den Glauben der Catarer, und das zeigten sie deutlich…

Comments

  1. Joerg_D on 04.13.2010

    Sehr schön, dass nenne ich mal einen Laternenmast als Hinweis.

  2. JollyOrc on 04.13.2010

    und der Laternenmast wurde sogar vom Spieler selbst verfasst! Sehr vorbildlich finde ich…

  3. Carsten on 04.13.2010

    Man tut was man kann ;-)

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